Donnerstag, 4. Dezember 2014

Advent im Werden

Wo hätten denn Zeit und Gedanken an einen Adventskranz in den letzten Wochen herkommen sollen?

Glücklicherweise finden sich noch Kerzen vom letzten Jahr im Keller - rote hätte ich dieses Jahr sonst nie ausgesucht. Das alte Holztablett steht treu wie immer bereit. Und mein Bild wächst mit dem Herausnehmen der Kerzen aus der Packung, mit dem Aufstellen dieser vier Lichter auf dem noch so kargen Untergrund.
Was dort ist? Nichts.
Was dort ist, schaut man näher hin?
Raum.
Raum?
Raum!
Raum für meinen Advent. Raum für so vieles, denke ich. Raum für Stilles, für Nahes, für Gefundenes.




Ich erzähle der Tochter von meiner Idee, wie wir unsere Lichter dieses Jahr umhüllen könnten. Hinausgehen, Augen öffnen, mitnehmen, was sich uns darbietet.
Die Tochter ist begeistert, zieht sich an und ist quasi schon aus der Tür. Den ganzen Wald hat sie vor Augen. In weniger als einer Stunde hätte sie ihn hier hereingeschleppt, bin ich sicher.
Aber naja, eigentlich möchte ich das so nicht. Von "zu viel" habe ich hier ohnehin zu viel. Ich versuche ihr zu erklären, dass ich lieber nur Weniges hineintragen möchte. Und dass ich dieses dann lange anschauen werde. Immer mit der Frage, was es mir erzählt. Sie versucht zu verstehen.

Unser erstes Fundstück, so entscheiden wir, werden wir nicht im Wald suchen gehen. Wir haben ja einen Garten vor der Tür, und der ist reich. Wir treten hinaus und lassen unsere Blicke schweifen.
Unglaublich, so vieles. Nichts von dem habe ich in letzter Zeit wahrgenommen. Und nun bin ich unfähig zuzugreifen, mich zu entscheiden, auszuwählen. Schon wieder dieses "zu viel".
Ich will nur ins Haus zurück - und steige in dem Moment über mein Zweiglein. Ja, genau dieses kleine, was mir im Weg liegt, ohne dass ich es beim Hinausgehen bemerkt hatte, genau dieses will zu mir. Von dem Grün, welches unser Haus - oft unbemerkt - umhüllt, ihm Farbe und Wärme gibt und welches ich viel zu selten anschaue.




Dieses Zweiglein ist mein erster Adventsfund. Die Tochter begeistert sich an seinem Gelb, hört meine Geschichte, neigt den Kopf und greift noch ein zweites Blatt von der Terrasse. Ein grünes Mandarinenbaumblatt, das einzige am Boden. Mandarine, das hätte doch mit Weihnachten zu tun, sagt sie, und es wäre doch so allein dort unten. Daher wolle sie die einsame Weihnacht auch noch aufheben.
Nun liegen sie also zu zweit, unsere beiden sprechenden Blätter.




In den kommenden Tagen sehen sie mich an, reifen - man könnte auch sagen: welken -, sprechen ihre eigene Sprache und geben meinen Blick Halt, von Zeit zu Zeit.

Ein kleines Stöckchen von der Straße kommt hinzu, ein Blatt-Trio vom Feldweg, und immer wieder ein Stück Ahnung, dass geschaut werden will, wofür blind zu sein mir zur Gewohnheit geworden ist.

Advent hat begonnen.

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