Dienstag, 9. Februar 2016

Ein Weg aus guten Momenten


Schaue ich mich um, schaue ich auf meine derzeitige und die unmittelbar vor mir liegende Wegstrecke, fühle ich mich wie im Morast, wie in holprigem, umwegsamem Gelände, beschwerlich zu gehen, ohne Aussicht auf das jeweils nächste Wegstück, ohne Ahnung, wohin der nächste Schritt am besten zu setzen sei.
Am liebsten würde ich fliegen, würde schwebend über ein Stück des Weges kommen, oder es wenigstens überblicken. Doch das geht nicht, da kann ich noch so sehr mit dem Fuß aufstampfen, ich kann das Beschwerliche nicht aus der Welt schaffen, auf die Schnelle schon gar nicht. Und solange das so ist, hangele ich mich von festem Tritt zu festem Tritt, von Moment zu Moment, genauer: von gutem Moment zu gutem Moment.

Diese Woche in der Ferne etwa, die mir anfangs nur lang und unaushaltbar schien, die ist plötzlich, wenn ich nur genau hinschaue, voller kleiner Jetzt-Momente, an denen ich mich entlanghangeln kann, die mir Halt geben:

Wie an einem nebligen Schneeregentag plötzlich die Sonne durch ein Wolkenloch bricht und helles Weiß unter Himmelsgrau leuchten lässt.

Wie die Tochter vor der großen Skihütte sitzt und ein riesiger Hund vor ihr auf dem Boden liegt, beide ganz versunken - sie im Streicheln, er im Gestreicheltwerden.

Wie ich auf dem vertrauten Weg ins hintere Tal steige und dort plötzlich ganz allein sein darf, mit mir, mit der Schneestille, mit dem Himmel über mir.

Wie wir unseren Freund treffen, den wir vor Jahren genau hier im Ort kennengelernt haben, und mit ihm intensive Gespräche übers Krankwerden, Heilen, Annehmen und Helfen führen.

Wie die Tochter mit ihrem kleinen Freund draußen im Schnee tobt, rotbäckig strahlend hineinkommt und ich kurz denke, sie ist nochmal 4 :)

Wie ich im Wald die Holzstapel entdecke und in den vielen Baumstammgesichtern Geschichten lese.

Wie mich das Telefon immer wieder über 1000 km heimwärts bringt.

Wie ich viele Stunden ruhig da sitze, lesend, schreibend, träumend, suchend.

Wie mir ab und zu wärmende, nährende, geborgenheitsspendende Gedankenfetzen zufliegen.

Wie sich mir immer wieder Nebelbilder zeigen, mit Wegen, Seilbahnen, Straßen und Bergrücken, die in der Unsichtbarkeit verschwinden, aber doch - das weiß ich - dort im scheinbaren Nichts weitergehen, und ich darüber nachsinne, dass das mit unseren Wegen ja möglicherweise ebenso ist.

Aus all diesen Momenten lässt sich doch eine Straße bauen? Oder ein Weg pflastern? Quer durch das unwegsame Gelände aus Sehnsucht, Unsicherheit und Traurigkeit lässt sich doch darauf weitergehen, irgendwie?

Kommentare:

  1. Und selbst wenn es nur ein Knüppeldamm wäre oder es wären die Reiser, mit denen ein Weg durchs Watt abgesteckt ist. Wenn das Ende des/eines Weges auch nicht sichtbar ist, so ist es doch da, zumindest eines Etappenziels kannst Du Dir gewiß sein: vielleicht eine Bank, ein Gasthaus, eine Bushaltestelle, ein neben und mit Dir gehender Mensch, ein Wald, ein Garten, ein Wegweiser (schwer entzifferbar, aber doch da), ein anderes Ufer, ein weiterer Weg ...

    Danke.

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  2. Diese Momente sind immer wieder großartig ... Es sind jene, an die man später auch noch denkt ... am Ende des Tages ... und manchmal am Ende des Lebens ...
    Deine spielende Tochter ... zum Beispiel. Da gibt es bei mir auch Szenen, die sich eingebrannt haben.

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