Mittwoch, 26. Januar 2011

Zwischen den Noten

In den letzten Tagen habe ich Hunderte von Noten "gemacht" - das ist um diese Zeit im Jahr ja immer so. Seit gestern sind sie alle abgegeben, eingetragen, fertig.
Nun zieht es mich zu den musikalischen Noten, den neugewonnenen. Erstmals seit Jahren singe ich wieder im Chor, erstmals überhaupt im Leben nehme ich Klavierunterricht (das ist so etwas wie mein Lebenstraum).
(Warum ich so lange weg von der Musik war, so lange gebraucht habe, wieder hinzufinden, das ist eine andere Frage, für ein anderes Mal.)

Doch irgendwie bin ich gerade dazwischen, zwischen den Noten sozusagen. Nicht mehr dort, noch nicht hier.

Ein riesiges Ausruhbedürfnis in mir ...


... und ich wünschte, ich könnte mich so ruhig niederlassen wie dieser hier:



Allein, die Ruhe will sich nicht zu mir gesellen. Der Schreibtisch ist und bleibt voll.

Und dann sind da heute noch zwei fiebernde Kinder zu Hause - so stellt man sich seinen freien Tag ja nicht vor :( Doch nein, ich will nicht unzufrieden sein. Sie sind in ihrem Kranksein ja wirklich lieb und lieblich:
Die Tochter erinnert selbstständig an Medikamenteneinnahme, Spuckschüsselbereitstellung und Kindergartenanrufnotwendigkeit, spricht sich selbst gut  zu: "Wenn ich weine, tut mein Kopf so weh. Also weine ich halt lieber weniger ..." und den Rest der Zeit schläft sie.
Der Sohn - schon auf dem Weg der Besserung und damit der Langeweile - vertreibt sich und mir die langen Morgenstunden, indem er unsere Auto-Betriebsanleitung liest und vor sich hinstaunt:
"Boah, da ist ne richtige Anleitung zum Autofahren drin."
(Er studiert die ersten Seiten gründlichst, wie um sich alles gut zu merken.)
"Bloß am Anfang, das haben die nicht gut erklärt. Die haben völlig vergessen zu schreiben, wo das Gaspedal ist und wo die Bremse, und wie man das macht beim Fahren mit den Füßen - also das ist nicht gut beschrieben in dem Buch."
(Ich grinse vor mich hin.)
"Mama, wusstest Du, dass unser Auto einen Bordcomputer hat???"
(Er stellt sich da wohl etwas anderes drunter vor, schaut schon ganz vorfreudig in Erwartung künftiger Computerspielfreuden beim Autofahren. Ich muss seine Vorfreude leider dämpfen :))
"Aber manches ist auch total blöd. Zum Beispiel so ein Regensensor, der allein die Scheiben hochmacht, wenn es regnet - nee, das find ich blöd, man will doch auch mal bei Regen rausgucken."
(Ich kann ihn beruhigen, dass unser Auto nicht so ein fortgeschrittenes Modell ist.)
"Am lustigsten finde ich das Kapitel "Sicherheit". Hör mal zu, Mama ...."
(Und dann liest er mir vor, welche Positionen - z.B. Füße aus dem Fenster gestreckt - und Aufenthaltsbereiche des Autos - z.B. der Fußraum - für Fahrer und Mitfahrer dringend NICHT empfohlen werden. Er lacht sich schlapp beim Lesen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die heutige Lektüre ihn zu so manch originellen Aktivitäten bei den nächsten Autofahrten inspiriert haben wird :))

Jedenfalls, sollte ich mal wieder nicht wissen, wie ich den Heckscheibenwischer an- und das lilapinke Lämpchen im Cockpit ausgeschaltet bekomme, kann ich künftig ja den sachkundigen Sohn konsultieren :) Wozu ein Krankheitstag so nützlich sein kann ...

***

Spätnachts:
Nun lese ich mein Geschreibsel gerade noch einmal durch und stelle fest: Ein Tag zwischen den Noten ist offenbar auch ein Tag zwischen allen Gedanken. Zwischen allen sinnvoll geformten jedenfalls. Die einen nicht mehr in mir, die anderen noch nicht - oder so.
Nun, ich veröffentliche das jetzt trotzdem: Gedankenfetzen-Potpourri, meinem heutigen Tag entsprechend ...

Kommentare:

  1. Das klingt ein wenig wie der Moment zwischen Ebbe und Flut. Oder wie die Pause zwischen zwei Noten. Oder wie das Kippen des Schuljahres beim Zwischenzeugnis.

    Es klingt ein wenig nach Neuem und das hört sich sehr schön an.
    Liebe Grüße
    Herr M

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  2. Schöne Assoziationen!
    Nur, warum kippt das Schuljahr beim Zwischenzeugnis???
    Kann ich ja gleich hautnah weiter drüber nachdenken, bin nämlich im Schulcomputerraum in einer Pause zwischen zwei Konferenzen - eben wegen der Zwischenzeugnisse :)

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  3. und wenn ihr denn mal nachts oder so im neckar landen solltet mit dem auto, da weiß er dann sicher auch sofort, was zu tun ist?
    sich schlapp lachen beim lesen einer betriebsanleitung, toll. kannst ihm ja mal so ein fettes anleitungsbuch für den A 380 besorgen...zu übungszwecken.

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  4. Oh, stimmt, das muss ich ihn nachher gleich fragen, ob er den Abschnitt mit dem Fluss-Sturz denn auch gründlich genug studiert hat, wir würden dann darauf zurückkommen :)
    Ja, da er ein sehr bildliches und lebhaftes Vorstellungsvermögen hat, sind für ihn insbesondere Sicherheitswarnungen immer ein Quell glucksender Freude, diese Klassiker zum Beispiel: "Katzen nicht in die Mikrowelle stecken." Er malt das Bild dann in der Fantasie immer weiter, stellt sich eine Welt mit lauter solch absurden Dingen vor --- und freut sich dran. Das Lachen ist SEHR ansteckend, wenn er da so weiterspinnt und fast vom Stuhl rutscht vor Lachen ...

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