Montag, 26. August 2013

Tag 7: Jena - Weimar

Langes Frühstück und viel Zeitlassen an diesem Kurzstreckentag - sehr entspannend, sind wir doch eh nicht die Es-fällt-uns-ganz-leicht-früh-loszufahren-Radler (wie scheinbar alle anderen). Schaffen wir es mal vor zehn, klopfen wir uns gleich vor Stolz auf die Schulter. Meist wird es bisschen bis deutlich später. - Heute also ist das legitim:) --- Die Karte zeigt als Beginn einen 200-Höhenmeter-Anstieg, verteilt auf 9 Kilometer. Wir erwarten Schrecklichstes und stellen uns seit gestern Abend mental darauf ein, gedenken mehr oder weniger den Vormittag damit zu verbringen - und dann ist der Berg plötzlich in 45 Minuten geschafft. War auch gar nicht so schwer. Weil es ganz gleichmäßig hochging? Weil wir uns drauf eingestellt und eingelassen hatten? Oder weil unsere Beinchen sich einfach schon gewöhnt haben? Jedenfalls ist es beruhigend für die weitere Reise, denn Hessen wird uns noch mehrere solche Berge in den Weg legen. --- Auf den letzten dann doch gekeuchten Metern die Hoffnung auf eine Pausenbank, mit weitschweifendem Blick übers wunderschöne thüringische Land - hach Thüringen (ich glaub ich bin in dieses Land verliebt...). Aber wie das so ist mit den Hoffnungen und Erwartungen: Oben steht dem Schweifen des Blicks eine alte LPG und ein Hochspannungsmastenwald im Wege, und Bänke gibt es hier schon gar nicht. Wir fahren also gleich weiter, bzw. wir rollen. 6 Kilometer bergab nämlich, ohne eine Pedalbewegung. Das ist wie Fliegen. Aber schon ein bisschen "Verschwendung", wie unsere mühsam erstrampelten Höhenmeter so dahinfließen. --- Die Pausenbank finden wir dann unten an einem Flüsschen, und eine Handvoll Kilometer später sind wir in Weimar. Über den Park an der Ilm hereinfahrend, ist man schon gleich bei Goethe und in der Weimarer Atmosphäre angekommen. Wieder: hach. --- Übernachtung durch Touristeninformation vermitteln lassen, kurz hochstrampeln bzw. schieben (uiui, auch die Stadt ist Bergland), in Dachzimmer in alter Villa einziehen, begeistert sein, umziehen, duschen, zu Fuß in die Stadt. Erinnerungen von vor zwei Jahren kommen hoch - damals hatten wir hier schonmal übernachtet, wir wollen unbedingt am gleichen Ort, am gleichen Tisch sogar zu Abend essen wie damals:) Vorher Bauhaus-Museum und schlendern. Im Abendregen zurück nach "Hause" in unser Dachzimmer, Korbstühle, Füße hoch, lesen ... Nachts ein erster Schultraum - och nö, noch nicht bitte, sind doch noch zwei Wochen. Aber klar, liebes Unterbewusstsein, das ist natürlich nicht mehr ewig. Genauso wie diese Reise nicht. Wir dürften jetzt etwa Halbzeit und Halbkilometerstand haben: 470. So schnell schon - ich könnte hier noch ewig weiterfahren. Und der Sohn auch, sagt er. --- Kaffee- und Brötchenduft ziehen jetzt durch die alte Villa - ich werde mal mein Kind wecken. --- Und während ich auf der Bettkante sitze und ihn wachkraule, wandert mein Blick durchs Zimmer: Unglaublich, wie sich zwei Menschen in einem halben Tag ausbreiten können, und vor allem, dass dieses ganze Zeugs nachher wieder an zwei Fahrrädern verstaut sein soll ...

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