Dienstag, 11. November 2014

Wochenrückblick 45/14


Wetter
Regen und Wind haben alle Blätter von den Bäumen gefegt, die Spätsommerluft hat sich wohl in südlichere Gefilde verzogen, die Sonne aber blieb und erkletterte um die Mittagszeit immer zweistellige Temperaturen
gemacht
ein ruhiger Wochenbeginn, da ein paar Kindertermine ausfallen und die Nachmittage fast sowas wie meine sind, bis dann am Mittwoch eine ganztägige Fortbildung das ganze Wochengefüge außer Atem bringt und auch mich, weil ich nebenher noch meinen Unterricht abhalte (nennt man das so, wenn man den Schülern alle paar Minuten einen Auftrag bringt und sie quasi über Fernbetreuung am Arbeiten hält?); durch die verbleibenden zwei Schultage - mal wieder spätnachts vorbereitet, wann sonst - schleiche ich mit Kopfschmerzen und einem lass-es-vorbeigehen-Gefühl; dann endlich Wochenende - eine fast schlaflose Nacht als Einstieg; ein kuscheliger Lese-Häkel-Rede-Samstagvormittag mit der Tochter; abends kommt der Sohn dazu, und wir schauen einen Mauerfall-Film, damit meine Ost-West-Kinder meine und unsere Geschichte(n) aus einem vergangenen Land wenigstens vom Erzählen her kennen; dazu ein Glas Sekt für mich, weil es mich auch nach einem Vierteljahrhundert noch im Innersten bewegt; ein Lern-Arbeits-Haushalts-Sonntag, in den ich immerhin noch einen Spaziergang rund ums Dorf hineinschiebe
gehört
Worte, Klänge, Zwischentöne und innere Stimmen in diesem Film, ebenfalls mit den Kindern zusammen geschaut, weil uns das alles seit Jahren vertraut ist - wenn auch nicht unhinterfragt (und doch geben wir diese Woche wieder die Anmeldungen ab, die uns alle - Duo-Wertung, Ensembleproben ... - logistisch an unsere Grenzen bringen herausfordern werden)
gelesen
passend zum Datum, aber doch schon länger hier zum Lesen bereitliegend: Dorothea Ebert / Michael Proksch "Und plötzlich waren wir Verbrecher"; dazu viel viel viel in Zeitungsartikeln und Kommentaren, zum Beispiel das hier
nachgedacht
über die Frage, welche die Freundin bei mir ließ, als wir vergangene Woche auf langen Spaziergängen und Abenden redeten: "Und wo bleibst du?" - Ja, wo? 
gefühlt
von einem Traum-Spiegel wachgerüttelt - zur Zeit überflutet mich hier alles, lässt mich in einem Gefühl der Hilflosigkeit zurück - und doch waren in dieser Woche ein paar Gesprächskeime, die Erleichterung schenkten
gestaunt
dass mir die Tochter noch morgens sagen muss: "Schau, jetzt sind alle Blätter von den Bäumen gefallen." und ich dies so gar nicht bemerkt hatte, worüber ich in dumpfe Traurigkeit verfalle - weil ich so blind durch meine Tage laufe - und kurz darauf fahre ich mit dem Auto übern Berg, mein Blick fällt über die Kuppe - und plötzlich ist da Licht, Licht und Licht
geübt
loszulassen: das pubertierende Leben des Sohnes bekommt ganz neue Facetten - ich bin soooo neugierig, darf dies aber nicht zeigen, und ich fühle mich soooo verantwortlich, darf dies aber nicht mehr sein (so ungefähr - ist ja wohl das gleich bei allen Pubertätsmüttern; nun also auch hier)
gefreut
als ich mit einem handfesten Problem zu meiner Schulleitung komme, dort die drei Worte zu hören: "Ich kümmere mich." - und zu wissen, dass ich mich darauf verlassen kann
geweint
immer noch und immer wieder bei den Fernsehbildern von damals - wie tief sich das alles in mich eingegraben hat - ich müsste den Kindern noch viel mehr erzählen davon ...
begegnet
manchmal entstehen ja mitten im Alltag unerwartete Nähemomente - so während unserer Fortbildung, beim Mittagessen, da geht es mit den Kollegen plötzlich ganz sehr um Eigentliches, um Nichtmehrarbeitsdinge, so dass der Tag einen unerwarteten Hauch Wärme bekommt
Ausblick
noch sechs Wochen bis zu den Weihnachtsferien (ich weiß, so soll man sein Leben nicht leben, aber im Moment komme ich nicht anders durch die Tage)
Dankbarkeit
für die Durchlässigkeit des Sohnes, als ich das Gespräch über unsere (gemeinsame) Situation suche, und dafür, dass dieses Gespräch (und andere Begegnungen der Woche) nicht ohne Wirkung bleiben

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