Freitag, 23. Dezember 2011

kopfgebloggt

Heute beim Wäscheaufhängen, Kinderzimmerchaosbeseitigen, Schulsachenaufräumen - da ging es mir die ganze Zeit durch den Kopf. Ich formulierte vor mich hin - und nun scheint alles wieder weg. Mal schauen, ob ich noch etwas davon zusammenbekomme. Dafür den Perfektionszwang ausschalten und einfach so schreiben, wie es aus mir kommt - die Schreibstimme ist arg eingerostet ...

Um es gleich zu sagen: ich schlief heute nicht - nicht wie ich gestern dachte. Jedenfalls nicht den ganzen Tag. Siehe oben Genanntes. Und was da noch so anstand - schließlich steht auch im Hause Rebis ab morgen ein Weihnachtsfest an. Den ganzen Tag zu schlafen - danach war mir nicht. Aber was zählt, ist einzig der Gedanke: Ich könnte, wenn ich wollte. Allein das fühlte sich wunderbar an!

Ja, der Tag hatte wieder mehr Freiheitsgrade als alle Wochen zuvor. Das wurde mir heute so richtig bewusst. Ich beginne immer dann mich unbehaglich zu fühlen, wenn ich keine Entscheidungsfreiheit über den Augenblick mehr habe. So wie im Moment wieder. Natürlich waren all die Dinge zu tun, für Weihnachten eben. Doch ich durfte Augenblick für Augenblick neu entscheiden, ob ich erst dieses oder erst jenes tue, ob ich das andere auf morgen verschiebe oder ganz weglasse, ob ich mich zwischendurch mit den Kindern hinsetze, oder nur mit mir allein (und nem Buch, oder an die schwarz-weißen Tasten), oder ob ich auf der Couch für ein paar Minuten die Augen schließe. - All das durfte ich wieder entscheiden.

Solche Freiheit gab es in den letzten Wochen nicht. Oder ich fand noch nicht heraus, wie ich mich auch in Schuldichtzeiten in dieses Gefühl versetzen kann. Da erlebe ich es als permanentes Müssen: schnell Kinder ins Bett bringen, dann korrigieren. Aus der Schule nach Hause kommen, dann korrigieren. Chorprobe vorbei, im fünften Gang nach Hause, dann vorbereiten (und weiter korrigieren).

Nun ist es wieder da, das Gefühl der Freiheit. Trotz Aufgabenberg für die Ferien - die neue Tätigkeit will vorbereitet werden, hier im Haus liegt manches im Argen, und das Wichtigste: die Kinder haben so viele Wünsche, was wir zusammen machen wollen - und ich will dies alles auch. Und trotzdem kann ich jetzt wieder Augenblick für Augenblick entscheiden, was gerade dran ist. Und gleich fühlt es sich wieder nach viel mehr Luft zum Atmen an.

Nicht der Berg an Aufgaben bedrückt, sondern der von außen aufgezwängte Takt - so erlebte ich es heute deutlich. In der Rückschau auf den Außenrhythmus, gerade im Kontrast zum selbstbestimmten Takt. Seltsam - selbst wenn dieser ein ähnlich rasantes Tempo hat wie der äußere, fühlt er sich doch viel lebbarer, viel erfüllender, viel weniger erschöpfend an.

Liegt das an meinem großen Freiheitsbedürfnis? Ich verstehe es selbst nicht. Denn das Ganze kommt einem Paradoxon gleich. Nehmen wir mal als Beispiel das Geschenkeeinpacken. Natürlich muss das vor Heiligabend erfolgt sein - und da tagsüber die Kinder um jede Ecke lugen, also spätestens am 23. abends. Oft schon also stand ich am 23. spätabends und erledigte es. Mehr oder weniger fluchend, da ich diese Tätigkeit nicht mag. Und weil ich keine Wahl mehr hatte, nicht abbrechen, nicht aufschieben durfte.

Da ich mich inzwischen ein bisschen kenne, wollte ich diese Situation dieses Jahr vermeiden. Packte also alles schon gestern Abend ein. Und --- fühlte mich viel besser dabei! Wegen des Gefühls, dass es ja noch nicht drängt und ich jederzeit aufhören und es auf heute verschieben kann.
Aber darin liegt eben das Paradoxon: auf heute durfte ich es ja gar nicht verschieben, sonst hätte ich mich ja wieder in die Zwangssituation des Einpackens am letzten Abend gebracht.
Ergo: Ich musste es gestern tun - um das heutige Müssen zu vermeiden. Das eine Müssen also gegen ein anderes eingetauscht. Offenbar gegen ein viel besseres, denn ich fühlte mich viel besser ...
(Kann überhaupt noch jemand folgen, von welchen Gedankenwirrungen ich hier spreche???)

Dieses Paradoxon ist übrigens ein prominentes - ich kenne es schon lange, aber was ich nicht wusste: es heißt Henkerpardoxon. Ich kannte es bislang nur mit harmlosen Beispielen. Geschenkeeinpacken zum Beispiel. Jedenfalls: Es beschäftigt mich schon lange, aber davon es zu durchschauen, bin ich weit entfernt - selbst beim Geschenkeeinpacken :)

(Und nun merke ich: lang gebraucht beim Schreiben, mich unbeholfen gefühlt - aber ich hab mir versprochen: Perfektionszwang ausschalten - also korrigiere ich nicht mehr am Text herum. Sondern gehe lieber schlafen ...)

1 Kommentar:

  1. eine gute lösung - frei nach dem alten sprcuh: was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
    ('henkerparadox' kennt nichtmal wikipedia...)

    eine ruhige festzeit für dich und deine lieben!

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