Sonntag, 8. Januar 2012

gefüllt, erfüllt

Diese Tage, diese Stunden stehen ganz im Zeichen dessen, was morgen ein bisschen und übermorgen so richtig beginnt.
Ich fühle mich wie vor meiner allerersten Unterrichtsstunde im Leben: die Sehenswürdigkeiten Moskaus, Russisch Klasse 10. Sehe alles noch vor mir ...

Bestimmt drei Wochen lang hatte ich mich vorbereitet.
Alles tausendmal bedacht, umgedacht, weggedacht, neugedacht.
Materialien erstellt, verworfen, umkonzipiert, optimiert.
Tag für Tag Kopfkino dieser riesigen 45 Minuten.

Und dann lief es --- irgendwie. Anders als gedacht. Nicht besser, nicht schlechter. Eine reale Unterrichtsstunde mit Unerwartetem, Ungeplantem, Unplanbarem. Und vor allem mit echten Schülern. (Die waren mir während meiner Vorbereitungen ja im Nebel versteckt gewesen :))

Auf wackligen Knien kam ich nach 45 Minuten raus und war einfach nur erleichtert, dass es vorbei war. Wenig später, nachmittags, als ich mich gerade in die Erschöpfung fallen lassen wollte, fiel es mir siedendheiß ein: "Oh neee, morgen ist ja schon die nächste Stunde!!!" (Dass es eine zweite Stunde geben würde, und eine dritte und so, hatte ich die drei Vorbereitungswochen lang erfolgreich ausgeblendet :))
Nächster Tag - nächste Stunde also. Diesmal ohne drei Wochen Vorbereitung.
Und es lief trotzdem :)
Und von da ab ging es, Stunde für Stunde, immer weiter, immer weiter.
Nunmehr 11 Jahre lang.

Und heute - sitze ich wieder so da. Wie damals vor meiner ersten Stunde.
Seit Wochen bereite ich mich vor.
Alles tausendmal bedacht, umgedacht, weggedacht, neugedacht.
Materialien erstellt, verworfen, umkonzipiert, optimiert.
Tag für Tag Kopfkino meiner Begegnungen der nächsten Tage.

Und dann läuft es ---- irgendwie??? Anders als gedacht??? Mit Unerwartetem, Ungeplantem, Unplanbarem??? Wieder bin ich Anfängerin, wie damals ... oder naja, nicht ganz: die Adressaten meiner Bemühungen verschwinden nicht ganz so im Nebel wie damals. Und dass es eine zweite, dritte, vierte ... Runde geben wird, blende ich diesmal nicht ganz so erfolgreich aus.



Ich bin dann mal wieder am Schreibtisch. Es bleiben noch 36 Stunden. Gut gefüllt werden die sein: Materialien erstellen, verwerfen, umkonzipieren, optimieren ...




Ach ja, und nicht ganz unwichtig:
Nicht nur gefüllt sind meine Tage. In erster Linie sind sie erfüllt.
Erfüllt - von all dem, was auf mich zukommt.
Erfüllt - von all dem, auf das ich zugehe.
Erfüllt - weil das hier ganz Meines ist.
Erfüllt - weil bei jedem Schritt durch die Vorbereitungsberge ein tiefes Ja in mir schwingt.
So ist das ...

Kommentare:

  1. Ohne dieses JA wäre es unmöglich!

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  2. Ich bin gespannt, wie du deine ersten Schritte an diesem neuen und in deinem tiefen Wissen doch längst verankerten Ort erleben wirst.
    Lieben Gruss
    Gabriela

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  3. gespannt durch den Türspalt linse...

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  4. Oh, diese Bücherstapel links und rechts, über, unter und hinter mir kommen mir seeehr bekannt vor. Ich hätte Sie gern als Ausbilderin!

    LG

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