Sonntag, 1. Juli 2012

Stürmisch

 (geschrieben gestern Abend)

Da war dieses Feuer vor ein paar Tagen. Ein Feuer im Außen, und ein Gefühl ganz tief in mir – von Wärme, Glut, Nahrung, Licht.
Und nun sind wieder Tage, denen davor gleich. Verweht ist der Feuertag wie sein Rauch, erloschen wie seine Glut. Ein Tag wie ein Fünkchen – wegaufzeigend, richtungweisend, und doch so kurz, so kurzlebig, so kurzgelebt.
Traurig ist es in mir. Verlorenheit und Einsamkeit lassen stille Tränen fließen. Zerrissen fühlt es sich an, auf allen Ebenen:
Der Raum, den ich mir selbst gebe, der fehlt den äußeren Dringlichkeiten. Und umgekehrt.
Der Raum, den ich meinen Kindern gebe, der fehlt denen, mit denen ich arbeite. Und umgekehrt.
Der Raum, den ich dem zu schreibenden Wort gebe, der fehlt dem geschriebenen. Und umgekehrt.

Die Antwort auf dieses Dilemma scheint so klar wie die Unmöglichkeit, in sie hineinzuleben. Da bleibt kein Raum für mich. Da bleibt kein Raum für Wesentliches. Da zerreißt es mich … wieder und wieder … Warum mir dies bei den Feuerbildern kam? Weil es anders war, für ein paar Stunden. Weil ich mich finden durfte, im meditierenden Blick in die Flammen, im Duft des Rauchs, in der wärmegeschwängerten Luft, im nährenden Stockbrot.

Und nun?
Wie wund alles in mir ist, wie sehnsüchtig, wie verletzt … Ich stehe in Schweigsamkeit vor mir selbst, ich spüre Verlieren und Abwenden, ich schaue sehenden Auges zu, wie mir entgleitet, was ich zu gern festhalten würde.
Doch ich flüchte in andere Erklärungen, sogar vor mir selbst. Es bietet sich an, in diesen Tagen das Schuljahresende für verantwortlich zu erklären für jede Art von Erschöpfung. Oder den totalen Computercrash, der mich vor ein paar Tagen ereilte, ein paar lange Stunden in Sorge versetzte, bis der Profi wenigstens eine Rumpffunktionalität wieder herstellen konnte (ob alle meine Daten … und wie ich denn arbeiten solle …), und mich nun vor der mühevollen Aufgabe stehen lässt, umgehend ein neues Gerät zu kaufen, weil ich tagtäglich abhängig bin von dieser Kiste. Beruflich, meine ich. Schon wieder flüchte ich, wenn ich davon erzähle – DAS ist nicht das wirkliche Nagen in mir. Das geschieht nur vordergründig …

Wenigstens tut es gut, diese wenigen Worte niederzuschreiben. So wie es gut tat, stundenlang ins Feuer zu blicken, vor ein paar Tagen. So wie es gut tut, jetzt im Augenblick inmitten eines dröhnenden Gewittersturms zu sitzen. Nur der Balkon über mir schützt mich vor der direkten Wucht der Sturzbäche, der Himmelsfluten. Von der Seite her aber drängen sie sich herein, zusammen mit dem Toben des Gewitters. Mitten in mich hinein. Oder tobt es aus mir heraus? Ich lasse es toben. (Und vertraue, dass das Netbook auf meinem Schoß nicht auch noch einen Wasserschaden bekommt. Die Ratio flüstert mir zu, vernünftig zu sein. Nicht noch dieses Gerät verlieren. Doch die Ratio ist nicht alles. Lang nicht alles …)

Kommentare:

  1. Uta, du liebe, ich habs gehört, ich habs gelesen, ich hab dich gesehen da im Regen. Bald ist das Haus hier voll von Studenten. Aber ich bin bei dir, so weit du das zulassen kannst.
    Danke, dass du dich zeigst. Danke, dass du ausharrst. Lenke deinen Blick nicht zusehr auf das Fehlende. Du weisst...
    Ich muss zurück, nehme dich mit.
    Alles Liebe
    Gabriela

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  2. Ich lasse Dir liebe Gedanken da.

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  3. Ich kann auch nur liebe Gedanken und hoffentlich genug Kraft da lassen.
    Halte durch!
    Ich wünsche Dir, dass es mit Beginn der Ferien vielleicht doch besser wird.

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  4. Wie lange können SO mehrere Leben in EINEM unbeschadet für alle "laufen"?
    Gruß von Sonja

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