Dienstag, 30. Oktober 2012

zugemutet

Nun auch hier: ein Hauch von Reif auf den Blättern, kaum sichtbar zwar, aber von deutlichen Minusgraden umgeben. Es riecht nach Kälte, nach Winter. Und als ich morgens auf die Terrasse trete, fallen neben mir die Blätter. Ich bin irritiert.
Warum?

Erst allmählich wird mir das Ungewohnte bewusst:
Sie fallen nicht sanft und schwebend, sondern schnell - von der Schwere des Reifs zu Boden gezogen - geradlinig, zügig.
Sie fallen nicht leise und raschelnd, sondern mit einem hartgefrorenen Geräusch - jedes Landen von einem Klick begleitet - unaufhörliches Blätterfallklicken.

Seltsame Vermengung von Bildern, Geräuschen, Stimmungen, die so nicht zusammengehören, die nicht recht zusammenpassen wollen, die wir jedenfalls sonst nie zusammen erleben. In eine Welt der Gegensätzlichkeiten zieht uns dieser Herbstwinter hinaus, vermischt Widersprüchliches, bringt Kontraste einander nahe, führt sich als Bruch, als Einbruch in Gewohntes auf.

So wie das Leben. So wie die Seiten des Lebens jedenfalls, die wir allzuoft und allzugern glätten wollten, dass sie seichter, sanfter, behutsamer mit uns wären. Nein, all das ist dieser Herbstwinter nicht. Er kommt unverstellt, kommt als er selbst, denkt nicht daran uns zu schonen. Wie das Leben eben.
Vielleicht würde ich an Tagen, an denen ich mich stark wähnte, danke sagen. Danke für diese Zumutung. --- An einem Tag wie diesem bin ich ganz still. Lausche zaghaft, verzagt fast. Die Natur lehrt uns - ja, doch - oft tut sie das. Nur mag ich manche Lektionen nicht so gern hören ...

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