Mittwoch, 18. Juni 2014

Unterwegs - Tag 3: Magdeburg - Kirchmöser

ein so wunderbar wohltuend gefüllter Tag, dass mir fast die Worte fehlen --- wir brechen wieder früh auf, verlassen Magdeburg nach Kaffee am Elbufer und ein paar Kilometern entlang des Flusses --- dort, wo der Elbe-Havel-Kanal den großen Fluss überquert (beeindruckend, diese Trogbrücke mit einer ganzen Wasserstraße darinnen, und die Dimensionen der Schleuse, um den Kanal überhaupt erst mal auf diese Höhe zu bringen), dort verlassen wir den Fluss, um querfeldein letztlich Richtung Berlin zu treiben ---- und das tun wir dann: suchen uns auf der Karte eine Route entlang von Dörfern, die der Luftlinie möglichst nahe kommen, und fragen uns dann von Dorf zu Dorf durch: ob man auf diesem Weg mit dem Fahrrad durchkomme, und wie der Weg beschaffen sei --- wir bekommen so liebevolle, geduldige Insider-Erklärungen und Tipps für Schleichwege, dass man glatt jeden Reiseführer wegwerfen könnte, und wenn man dann noch Vertrauen hat, in die engsten Pfade einzubiegen, weil der Mann das eben so beschrieben hat … dann gerät man an Orte und auf Wege, die man sonst nie betreten hätte und bei denen sogar dem Sohn entfährt, wie schön das hier sei, und dass wir uns jetzt unbedingt mal ans Ufer setzen sollten, auf die fünf Minuten komme es jetzt doch nicht an --- nur einmal verfahren wir uns in einer Baustelle und stehen vor lauter verschlossenen Toren (na, man soll ja auch nicht unter Schranken durchklettern und statt dessen der Erklärung besser zuhören, die nämlich sagte, wo vorher abzubiegen sei), und gelegentlich wird es dann doch die Landstraße, weil wir keine Mountainbikes haben bzw. keinen Platten riskieren wollen --- der Tag mit seinen 90 Kilometern geht ganz unbemerkt vorbei, wir fühlen uns nicht mal besonders ausgelaugt – vielleicht auch, weil wir uns zwischendurch zweimal zu warmem Essen niedergesetzt haben, oder weil wir so viele Wortspiele gespielt haben (das ist für den Sohn die Freude schlechthin, im Moment), oder weil wir morgens gar keinen Vorsatz hatten, wie weit wir kommen wollten und dies spontan entschieden haben, oder weil mich – erste Kiefernwälder – ein Heimatgefühl, eine so liebevoll gefühlte Vertrautheit erfasst hat … wer weiß --- jedenfalls sind wir plötzlich da, in einem (wieder mal – wir sollten es langsam wissen) dienstags-Ruhetag-Dorf, beziehen unser kleines Zimmer, und ich breche nochmal auf – der Sohn will lesen und auf keinen Fall mehr fahren, während ich so lange am See entlang fahre, bis ein Gasthaus auftaucht, von dessen Bänken aus ich fast die Füße ins Wasser hängen könnte (oh ja, nach Baden wäre mir jetzt wirklich) --- Blick auf den See, Versinken im Auf und Ab der Wellen und in den Wolkenspielen, den Gedanken nachhängen und den Erinnerungen an den Tag --- auf dem Rückweg wird die 100 noch voll, die rote Sonne versinkt vor meinen Augen im See, und der Sohn ist glücklich, dass ich ihm etwas zu essen mitgebracht habe --- der Rest ist dankbares In-den-Schlaf-Fallen.

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