Freitag, 20. Juni 2014

Unterwegs - Tag 4: Kirchmöser - Potsdam/Berlin

Frühstück mit Seeblick: wow, so schön saßen wir selten --- ebenso verzaubernd die Strecke, anfangs am morgenerwachenden See entlang --- wir fahren wie von selbst bis Brandenburg (Asphalt und Rückenwind fühlen sich an wie bergab, was aber jedenfalls physikalisch – flussaufwärts – ja nicht sein kann) --- dort lassen wir uns Zeit und durch die alte Stadt treiben, es gibt etwas zu essen (wir haben dazu gelernt und nutzen die Gelegenheit) --- und dann plötzlich beginnen wir zu rechnen, dass wir ganz schön treten müssen, wenn wir abends den Zug bekommen wollen, der uns quer durch Berlin zum Opa bringen soll – also treten wir, und treten, und treten – fast ohne Pause oder Päuschen – das macht dann doch müde, bei allem Rückenwind der Welt --- unbedingt möchte ich diesen Havelradweg später mal allein fahren, mit mehr Ruhe, um in der Landschaft zu versinken, die immer wieder, mit so manchem Blick, mit ihren Geräuschen, vor allem aber mit ihren Gerüchen mein Kindheitserleben wach ruft --- heute ist es sehr eilig, der Sohn möchte sogar aus Effizienzgründen den stets in Wassernähe im Grünen führenden Weg durch abkürzende Landstraßenstücke ersetzen: ich verweigere mich vehement, an unserem letzten Reisetag, an dem ich aufatmen möchte --- zum Ende der Strecke werde ich müde, da der Sohn immer schneller tritt (ein Magnet am Ziel?) --- kurze Einkehr-Trink-und-Telefonier-Pause in Werder auf der Insel --- bis Potsdam ein Katzensprung --- Erinnerung: wir treffen auf die Abzweigung, an der wir letztes Jahr zu unserer langen Tour Richtung Heimat aufgebrochen sind: hach (und wir erzählen uns, wie wir uns damals auf dieser Brücke gefühlt haben – so unterschiedlich, so interessant, das auszutauschen) --- plitzplautz (gefühlt) stehen wir vor dem Potsdamer Hauptbahnhof, geworfen ins Getümmel, das ich kaum ertrage, all die Menschenmassen, die Hektik, das Gedränge und Geschubse im Zug, in den wir kaum hineinpassen, gequetscht mit den Rädern mühsam stehen, beim Umsteigen die S-Bahn verpassen – der Sohn spricht aus, was auch ich denke: diese zwei Bahnstunden erschöpfen mehr als der ganze Tag --- kurz vor acht Ankunft Berlin-zu-Hause, und mit etwas zu viel Wucht ist plötzlich der Alltag wieder da. Ich werde von dieser Reise zehren, aber heute erscheint sie mir zunächst unendlich weit weg.

1 Kommentar:

  1. Ein tiefer Knicks als DANKE dafür, diese Eure Reise verfolgen zu können! Das mit dem Zehren ist ja klar. Dafür viel Zeit wünsche ich!

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