Donnerstag, 23. Dezember 2010

Meine Kinder und die Musik

Nun, er spielt sicher ganz gut. Vermutlich sogar sehr sehr gut, für sein Alter. Dennoch hat die Klavierlehrerin lange überlegt, ob wir ihn zum Wettbewerb anmelden sollten. Wir mit ihr, sie mit ihm, wir mit ihm, wir alle zusammen haben überlegt. Immer wieder: "Sohn, willst Du das auch wirklich?"
Ja, er wollte.
Und so meldeten wir ihn an.

Neulich schon, als ein paar von den Musikschullehrern bei uns zu Gast waren, ein flaues Gefühl in mir. Da hieß es, gerade bei Geige und Klavier wäre es ganz verrückt: wahnsinnige Eltern, gepuschte Kinder, monatelang getriezt auf diesen Tag hin, und dann brächen Welten zusammen, wenn es "nur" zum 1. Preis reiche, aber ohne Weiterleitung zum Landeswettbewerb. Auf solcherart Zustände träfe man dort. Zum Glück sei es in Altersklasse 1b noch nicht gar so schlimm, denn da gibt es noch keinen Landeswettbewerb.

Oh je. SO hatte ich mir das nicht vorgestellt. Zum Glück gehört er noch zu 1b, in die Altersklasse, wo es wohl noch nicht so heftig sei. Zum inneren und äußeren Kampf sollte die Musik ja nun nicht werden. Manchmal möchte ich ihn da wieder rausholen, die Anmeldung zurückziehen. Doch das will ER nun nicht mehr.

Ich verdrängte das eine Weile. Bis vorgestern die Anmeldebestätigung im Briefkasten lag. Da steht sein Name schwarz auf weiß: 11 Uhr 05, an einem Samstag im Januar. Vor ihm und nach ihm Dutzende anderer kleiner Klavierspieler. Wieder in mir: Oh je.

Erste Auswirkungen bei ihm - setzt er sich selbst oder setzen unbewusst wir ihn unter Druck? Jedenfalls hatte er bisher seine Musikschulvorspiele immer lässig, unberührt, gelassen absolviert. Fast als ginge ihn das nichts an, ohne spürbares Lampenfieber. Am Samstag beim Adventskonzert erstmals: "Ich bin so aufgeregt." Und erstmals verspielte er sich vor Nervosität.
Da kann ich für mich ganz klar sein: Es ist unwichtig, nur ein Wettbewerb, es kommt auf nichts an. Er scheint es anders zu erleben ...

Oh je.

***

Bei der Tochter noch keinerlei diesbezügliche Aufregung. Sie singt, klimpert, trällert, trommelt frei von der Leber weg. Und geht seit Jahren davon aus, dass bald auch sie in die Musikschule gehen wird. Wir schoben es ein wenig hinaus.

Bei einem Konzert im Sommer sah sie eine kleine 5jährige Cello spielen. Das hat sie tief beeindruckt. Seither bewegt sie ihre Arme zur Musik immer wieder in Cello-Haltung :)

Nun, warum nicht? Der Cellolehrer unserer Musikschule unterrichtet viele 5jährige, er scheint mit so jungen Schülern gut arbeiten zu können. Und die Tochter will und freut sich. Ein Achtelcello zur Ausleihe ist verfügbar - warum also nicht?

Sagten wir ihr also: im März, nach den Winterferien geht es los.
Seither zieht sie sich meine zwei großen Balkanflöten aus der Schublade: Die eine hält sie senkrecht zwischen den Beinen, mit der anderen streicht sie drauf herum.

Ich glaube, wir müssen schleunigst das Cello ausleihen und ihren Unterricht starten lassen, bevor meine Flöten ganz zergeigt sind :)
(Und als ich in ihrer Gegenwart davon erzähle, korrigiert sie mich: "Zercellt, nicht zergeigt!" :)))

Kommentare:

  1. Liebe Uta,

    ich erinnere mich auch noch sehr gut an mein erstes Vorspiel und das dazugehörige Lampenfieber (bei mir als Kind oft im wahrsten Sinne des Wortes begleitet von richtigem Fieber). Ich hoffe sehr das meine Zwei ein wenig was von meiner Freude an der Musik abbekommen haben. In der Musikschule haben jedenfalls beide bis jetzt ihren Spaß. Luca besucht seit 3 Monaten einen Trommelkurs, mal schauen was sich daraus entwickeln wird, ein Klavier haben wir hier jedenfalls auch noch stehen ;-)

    Liebe Grüße
    Rina

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  2. Liebe Rina,

    ja, zu musizieren ist ein Geschenk fürs Leben, und Lampenfieber gehört wohl dazu. Diese Vorspiele finde ich wunderbar - die Kinder wachsen daran, mal abgesehen, dass wir sie dann auch mal zu Gehör bekommen:)
    Unbehagen bereitet mir nur dieser Wettbewerbscharakter ... aber wir werden das schon irgendwie schaffen.
    Schreibe Dir nachher noch eine Mail ...
    Lieben Gruß
    Uta

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  3. ich habe diese wettbewerbe GEHASST! zum einen natürlich wegen des alleine (oder mit klavierbegleitung, das ist aber fast alleine) vorspielens, zum anderen wegen dieses mit anderen gemessen werdens. das war nie mein ding, aber ernsthaft gefragt hat mich dazu (in meiner erinnerung) niemand. die cellolehrerin schlug es vor, die eltern waren einverstanden. mir war es nur unangenehm.

    so gesehen ist es goldrichtig, daß ihr ihn selber entscheiden lasst. da kann er dieses 'gewettbewerbe' mal ausprobieren, spüren was es mit ihm macht. notwendig für spaß am musizieren find ich es nicht. für solisten vielleicht eher, aber nicht für rudelmenschen wie mich. im orchester dagegen - ha, da war es für mich ein traum, zu konzertieren!

    liebe grüße, ich denke oft an dich!
    (und trotz stürmischer zeiten ein frohes weihnachtsfest für dich!!)

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  4. Ach, ich glaube das mit dem Wettbewerb ist aber wirklich oft eine Sache der Eltern. Es gibt diese Sorte die ihre Kinder puschen und immer oben sehen wollen, da stellt sich dann wohl auch bei den Kindern ein solches "ich-muss-gewinnen Gefühl" ein. Wenn man aber ganz gelassen rangeht und den Kindern auch eingesteht Fehler machen zu dürfen und ihnen vermitteln kann das diese zum Reifen dazu gehören, glaube ich werden sie ganz "gesund" an die Wettbewerbe herangehen und auch kleine Rückschläge gut verpacken. So habe ich es jedenfalls immer empfunden, habe ja auch einige Wettbewerbe als junge Frau (die Betonung liebt auf Jung :-))) begleitet und dort die ein oder anderen Kinder mit ihren Eltern erleben können.

    Liebe Grüße
    Rina

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