Donnerstag, 1. März 2012

Heute gelesen:

Dass es vier Arten von Pferden gebe - "... hervorragende, gute, mittelmäßige und schlechte. Das beste Pferd läuft nach dem Willen seines Lenkers langsam und schnell, nach rechts und links, noch ehe es den Schatten der Peitsche sieht. Das zweitbeste läuft so gut wie das erste, gerade bevor die Peitsche sein Fell berührt. Das dritte läuft, wenn es den Schmerz an seinem Körper fühlt. Das vierte läuft erst, wenn der Schmerz ihm bis ins Mark seiner Knochen gedrungen ist. Ihr könnt euch vorstellen, wie schwer es für das vierte Pferd ist, laufen zu lernen!"
(Shunryu Suzuki)

Und innegehalten:
Nicht empört, nein, nur den Kopf geschüttelt. Dass ich diese Wertung - das beste, das mittelmäßige, das schlechte Pferd - nicht so stehenlassen kann. Nicht nur, weil ich mich selbst als eines dieser vierten Pferde erlebt habe und erlebe.
Laufenlernen als Lebensaufgabe.
Stolpern über die Unvollkommenheit, immer wieder.
Begreifen, allmählich, dass es so ist: Nichts schlechtes, nichts gutes - einfach ein zu Übendes.
(Nein, nicht einfach. Überhaupt nicht einfach ...)

Und weitergelesen:
Vom Leben im ununterbrochenen Fehler. Davon, wie man diese Wertung von sich abschütteln kann. Wie einem das schlechteste zum besten Pferd wird, oder nein: wie man aufhört, einzuordnen, zu vergleichen, zu urteilen.

Und dann - es gibt ja keine Zufälle - kam diese Mail. Vor ein paar Stunden war es. Eine traut sich, mir vom Gefühl ihrer Unzulänglichkeit zu erzählen. Ich sehe durch die Bildschirme am anderen Ende Tränen fließen. Ich schreibe eine kurze Mail zurück. Nein, nicht von den Pferden - das ginge zu weit, zu tief, wäre für heute zu viel gewesen. Nein, ich schreibe nur, dass ich mich auf unsere morgige Begegnung freue. Von viertem Pferd zu viertem Pferd, denke ich mir dabei.
Was ich morgen dann aussprechen werde von diesen Gedanken? Ich bin selbst gespannt. Denn ich begegne ihr im Rahmen meiner neuen beruflichen Rolle. Eine Rolle, die einen solchen Austausch - über vierte Pferde und so - eigentlich nicht vorsieht.
Das "eigentlich" aber lasse ich bewusst in meinem Satz stehen: Es ist der Rolle nicht zueigen, so wie sie konzipiert ist, dass man Pferd sein darf. Viertes schon gar nicht.
Aber darin stecke ja immer noch ich. Ich, die ich die Rolle füllen soll und darf.
Wenn ich mich selbst in meinem Sosein draußen lasse, wird mir dieser berufliche Anzug nie passen. Also nehme ich mich mit - mich mit allem. Mich Pferd eben :)

Ich sehe der morgigen Begegnung mit Spannung entgegen. Ob ich mich selbst zulassen werde? Ob ich die Rolle mit mir füllen werde, auf dass sie nicht hohl bleibe?
Und wie werden die anderen reagieren? Denn - erschwerte Bedingungen! - wir werden uns nicht unter vier Augen begegnen, wir werden Zuhörer haben.
Es wird Mut brauchen ...

(Nun gehe ich schlafen. Mir diesen Mut anschlafen. Und dann offen sein für das, was sich ergeben wird. Fragend richte ich meinen Blick ins Morgen.)

1 Kommentar:

  1. Liebe Uta,

    ich habe nun schon ganz oft probiert zu kommentieren schaffe es aber wohl wegen der Abfrage nicht (????). Irgendwie hat sich hier etwas verändert, ich hoffe das ich jetzt diesen Kommentar rausbekomm...

    Ich danke dir jedenfalls für diesen Post, er kommt gerade zur rechten Zeit und ich wünsche dir den Mut den du brauchst um mit deinem Gegenüber darüber zu sprechen.,

    Liebe Grüße
    Rina

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