Freitag, 5. September 2014

Ein Schuljahr im Werden #2

Auch an Tag 2 lässt der Kreativitätsschub auf sich warten. Dennoch wende ich mich vom Wegwerfen ab und dem Produzieren zu. Kalendereinträge, Schülerlisten, Exceltabellen jeglicher Machart, Formulare und Infozettel für Eltern und Schüler, Stoffverteilungspläne, erste Einträge in Planungsvorlagen. Gedanklich noch nicht sehr fordernd, einfach nur abzuarbeiten.
Grundsätzliche Überlegungen zu strukturierterer, papiervermeidender, langfristig brauchbarer Planungstätigkeit: Wenn meine digitalen Dokumente sich beginnen zu bewähren und vorzeigbar werden, mehr dazu.
Bisher war ich nämlich eine große Freundin von Fresszetteln, Kladden, Papieraufzeichnungen, winzigen Schreibblöcken, Randnotizen, Post-its, die dann irgendwann abfallen, Kalenderdoppelführung ... nur das Genie überblickt das Chaos. Mit den Jahren werde ich wohl weniger genial:), oder ich bin es einfach leid, das Rad jedes Schuljahr neu zu erfinden, weil ich meine alten Aufzeichnungen nicht mehr finde oder nicht mehr durchschaue oder die Reihenfolge umstelle und daher alles neu aufschreibe oder oder oder. Zu viel Gedankenverwaltungstätigkeit, zu wenig Zeit für inhaltliches Denken, sagt mir mein Unbehagen. Und sagen mir eben die 30 Leitz-Ordner.
Daher heute also ein paar grundsätzliche Überlegungen, wie ich meinen Berufsalltag mit Computer, Tablet, Handy, Word, Excel, GeoGebra, OneNote, einem noch zu findenden Termin- und Aufgabenplaner und viel Synchronisation weiter digitalisieren kann. Meine kleine persönliche Revolution:)
Am Nachmittag dann doch noch Eintauchen in Inhaltliches: Planung von Klasse 6. Wiedererinnerungsmaterialien - ui, ich hab vor den Ferien ja schon was kopiert: wie vorausschauend! Dazu ein paar flaue Ideen für einen "Ferienaustausch" mit sinnvoller mathematischer Wiederholung (Rechnen mit großen Zahlen, Umrechnen von Einheiten, Darstellen von Daten in Diagrammen - da muss doch was gehen?!) Aber diesen Jahreseinstieg nicht ausufern lassen bitte, sage ich zu mir selbst; das tut schon mein Stoffverteilungsplan, weil ich für die Bruchrechnung so viele Ideen habe, dass ein Schuljahr kaum reichen wird.
Ich blättere also in meinen Notizen zu den dialogischen Ideen (siehe auch hier und hier), in die ich diesmal mehr als bisher nur mit der großen Zehe eintauchen will. Ein Spagat zwischen absolutem Stofffülle-Zeitmangel in unserem G8-Gymnasiumsplan und dem Ahnen darum, dass diese - zeitintensiven - Wege des Lernens die einzig nachhaltigen sind. Ich suche geeignete Aufträge aus dem Ich-Du-Wir-Lehrbuch und Texte aus  "Zu Gast bei Brüchen und ganzen Zahlen" und freue mich schon jetzt auf kreative Schülertexte, -ideen und -zeichnungen in den Heften, auf unsere (schriftlichen) Dialoge und auf die dabei entstehenden persönlichen "Bruchalben". Schon vor zwei Jahren hatte ich dies punktuell gewagt, erlebte mit den Schülern zusammen sehr intensive Unterrichtsphasen, erblickte plötzlich ganz andere Schüler (vor allem Schülerinnen!), konnte ganz neu in die Gedanken der Kinder hineinschauen. Damals kapitulierte ich dann aber vor der drückenden Enge des Stoffes. Diesmal der Versuch, länger durchzuhalten, das Jahr anders einzuteilen. Mein passioniertes Matheplanungshirn beginnt zu arbeiten ...
Im Nachklapp flutscht gleich noch die Stoffverteilung für den Kurs in den Computer - am 19. März ist Abitur, auf gehts. (Wenn ich mich nicht verzähle: mein sechstes. Mit dem 1987er zusammen mein siebtes. Man, bin ich alt:))
Eigenbeobachtung: Je später der Tag, desto selbstgesprächiger werde ich. Ganz schön einsam hier an der Vorbereitungsfront. Habe schon begonnen Mails an Kollegen zu schreiben. Aber noch keiner wagt sich aus der Deckung des Ferienschlupflochs heraus. Na wartet. Wenn Ihr nächste Woche vor davonlaufender Zeit japst, sitze ich in Berlin und verbringe in Ruhe meine letzte Ferienwoche. Weil ich nämlich alles fertighaben werde.
Mit diesem Ziel vor Augen heute gleich meine erste Undiszipliniertheit, das mir selbst verordnete Zeitfenster von sechs Stunden täglich zu sprengen. Um eine Stunde. Psst. Für morgen gelobe ich Besserung ...

(PS: Alle die bis hierher durchgehalten haben, sind wahrscheinlich selbst Mathelehrer oder verdienen ein Kompliment. Das Oder schließt ja das Und ein ...)

Kommentare:

  1. Ich krieg ein Kompliment! Jetzt sofort! Bin keine Mathelehrerin und hab es bis zum Ende geschafft...
    Ich bin da erste Mal bei dir und fühle mich wohl und lasse ein liebes "Hallo!" da.
    Lese jetzt mal weiter durch deine Seiten, zu denen mich Frau Weh geschickt hat.

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  2. Ja - hier ist es: KOMPLIMENT!
    Und ein liebes Willkommen! zurück.

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