Montag, 29. September 2014

Wochenrückblick 39/14


Wetter
Fahrradfahrwetter, und zwar so warm, dass wir nicht nur die Jacken ausziehen mussten, sondern auch noch das dringende Bedürfnis hatten, dies im Schatten zu tun
gemacht
was ging die Woche schnell vorbei - und wie viele kleine bis klitzekleine Dinge passten hinein: das Schuljahr rüttelte sich weiter zurecht, am Schreibtisch kam ich langsam in Fluss, auf den Schulfluren auch, aber all die Kinderdinge - Holundbringfahrgemeinschaftsabsprachen, Terminvereinbarungen, Anmeldungen, Arzt und Optiker etc. - verbannten mich gefühlt eine Woche lang ans Telefon (was nicht mein Lieblingsgegenstand ist, übrigens); zum Wochenende dann eine infektkranke Tochter gesundgekuschelt - und gestern abend gleich auch den Sohn, der vorher noch in einem Wolfswildpark campiert (und gefroren) hatte; Kinderkleiderflohmarktbesuch, erfolgreich, jedenfalls zeigen dies die Wäscheberge vor der Waschmaschine an; im Eifer des Gefechts dann aus dem Tochterkleiderschrank Tonnen von Hochwasserhosen und -shirts herausgefischt und umgehend zur Dreitochterfreundesfamilie transportiert
gehört
die Vögel in den Bäumen, Blätterrauschen über mir und Blätterrascheln unter mir; und all die wunderbare Kindermusik (mein tägliches Hauskonzertgeschenk!) hat Ergänzung gefunden in einem Ohrwurm-Brahms-Stück des Tochterkindes, das sie und ich seit Freitag ständig vor uns hin summen
gelesen
Susanna Tamaro: Erhöre mein Flehen
begegnet
die erste Stunde Flohmarkt verplaudert - dort trifft man aber auch unser ganzes Nest:) - bis ich mich besann, dass ich nun besser doch etwas wühlen gehe, bevor alles weg ist; vor der Halle dann ein ehemaliger Schüler, dem es so richtig gut geht, obwohl damals bei uns alles schwierig schien - hach: Herzensfreude! Wochenabschluss bei Freunden zum Grillen (sehr sommerlich hier im Süden)
gedacht
dass man wirklich jeden Tag leben soll (nicht neu gedacht, natürlich, aber manchmal rüttelt einen auf, was ringsum geschieht ...)
gefühlt
ruhig und dankbar, ja, das beschreibt es am besten
gestaunt
wie subjektiv, wie eng mein Blick auf das Ganze ist - ausgelöst nämlich durch die Wendejahr-Dokumentationen auf Phoenix zappte ich mich bei you.tube durch diverse Dokus (die Bügelwäsche darüber vergessend), sah dann etwas über Moskau-Gorbachev-Einheit und so - und staunte, wie wenig wir geahnt, wie naiv wir dort gelebt hatten in diesem Jahr - obwohl ich immer gedacht hatte dabeigewesen zu sein, etwa bei jener Demonstration auf dem Roten Platz, 1. Mai 1990, und meine Erinnerung und meine Fotos die Wasserwerfer hinter der Basiliuskathedrale durchaus festgehalten haben, und die KGB-Reihen, die Sowjetfahnen mit Loch statt Hammer-Sichel, die Stalin-Porträts, die Sprechchöre, die bemäntelten alten Männer auf der Tribüne, darunter auch ihn, den von uns fast vergötterten - und doch wussten wir so wenig von dem, was damals geschah; klar, eine Doku kann auch "Falsches" erzählen, aber in jedem Falle ist der eigene Blick einfach nur Mosaiksteinchen - wie klar mir das mal wieder vor Augen stand (und es ist ja nicht nur mit der Erinnerung und der großen Geschichte so ...)
gefreut
wie meine 6t-Klässler vor mir sitzen, sich erst wundern, dass sie nun in Mathe Geschichten schreiben sollen - gerade wie in Deutsch -, dann aber losschreiben und schreiben und schreiben und gar nicht wieder aufhören wollen, als die Stunde um ist - zweite Freude-Welle in mir, als ich zu Hause anfange zu lesen
geärgert
über den heutigen Mädchenhosenschnitt - die Tochter beklagt sich, dass sie damit so schlecht klettern könne - ja klar, Röhre ist völlig unkindgemäß - als ich ihr dann aber auf dem Flohmarkt einen Stapel älterer Jeans (aus der Zeit, als Kinderhosen noch Kinderhosen waren) zum Anprobieren gab, beschaute sie sich von oben und meinte bei einer jeden: die sei zu weit, wie das aussehe ... (ich hab sie trotzdem gekauft: basta - und heute hat sie die erste in der Schule an, mal schauen, ob sie das überlebt)
gelacht
die Tochter erklärt wissend, dass sie niemals ein Kleinkind auf diesem Geländer balancieren lassen würde - warum nicht? - naja: Kleinkinder erkunden doch immer so die Umgebung ... - und Du nicht mehr? (kann ich mir nicht verkneifen zu fragen) - vorpubertärer Blick, Augenrollen, genervt-belehrender Tonfall: Mama! Des iss ja schon so, dass ich mich in der Welt auskenne ...
berührt
von meiner neunten Klasse, von der Mischung der in ihnen streitenden Lebensphasen, von dem Vertrauen in ihrem Blick - sei er auch noch so sehr unter langen Haaren hervorgeworfen - und von der Suche, die in jedem Wort, in jeder Geste hervorblitzt
Ausblick
erstmals eine komplett volle Woche: alle Kurse, alle AGs, alle Termine fangen wieder an - bis das laaaaange Wochenende Atem schöpfen lassen wird
Dankbarkeit
für die Momente, in denen kurz alles stillstehen darf, weil mein Weg zum Außenklassenzimmer unter gefärbten Bäumen und blauem Himmel entlang führt, weil ich meinen ersten Kaffee auf der Terrasse im Morgennebel trinken darf, bevor ich die Kinder wecke, weil wir in der Sonne Haselnüsse sammeln, bis sie aus den Jackentaschen herausquellen, weil mein Fahrrad mit mir über die Felder fährt und der Fluss vor meinen Augen so fließt, wie er schon immer geflossen ist  ...

1 Kommentar:

  1. Die Phasen des Erwachsenwerdens hast Du nicht vergessen, musst nicht mit den Augen rollen und genervt sein von den "Suchenden"- da ist eine Liebe zu allen zu spüren. Was für eine Lehrerin, Wegweiserin, Helferin!

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