Mittwoch, 3. September 2014

Ein Schuljahr im Werden #1

Wie gut, denke ich, als ich plötzlich diesen Zettel wiederfinde. Habe ich doch vor den Ferien noch schnell notiert, mit welchen Plänen, Ansätzen, Umsetzungen dieses neue Jahr starten soll. --- Blöd nur, dass ich dies in so knapper Form getan habe, dass mir meine Ideen nun selbst verborgen sind :(
Also erstmal Computer hochfahren, Datei für Datei, Zeile für Zeile abtasten, zäh fließen Wiedererkennensmomente. Ich rühre in meinen Gedanken wie in einer Suppe, Struktur lässt auf sich warten und sich nicht herbeibetteln, Kopf und Auge springen hin und her zwischen Blättern, Listen und Kalendern, die Hände zupfen derweil wahllos Bücher, Broschüren und Leitz-Ordner aus dem Regal. Binnen Minuten ist der Schreibtisch zugedeckelt.
Nun also: Leitz-Ordner. Wenn ich sie schon herausgewuchtet habe. Da ist zum Beispiel der mit der Aufschrift "Klasse 11". Die gibt es bei uns schon seit 2010 nicht mehr. Irgendwann wollte ich die Materialien wegsortieren - dorthin, wohin sie im G8 jetzt gerutscht sind: nach 10, oder in die Kursstufe, oder eben ins Nirvana. - Irgendwann ist jetzt.
Zum Motto des Tages wird: Wegwerfen, Aussortieren, mich trennen. Von Materialien, Arbeitsblättern, Tests nämlich, die ich einmal und nie wieder benutzt habe, in denen sich meine ambitionierte stürmische Anfangslehrerseele widerspiegelt, mit denen ich schon damals Schüler überfordert haben muss - und jetzt erst! - und die ich seither Jahr für Jahr durchblätterte und im Ordner schmachten ließ. Genug geschmachtet: 30 Leitzordner Schulzeugs habe ich in zehn Teilzeitjahren produziert, alle voll mit Könnte-ich-vielleicht-nochmal-gebrauchen-Zeugs. So geht das nicht weiter. Das heute großzügige Weg-damit soll der Anfang meines Versuchs sein, papierärmer zu wirtschaften.
Als ein Papierkorb gefüllt ist, lassen sich die Deckel der vier Kursstufenordner erstmals seit Jahren wieder ohne Brachialbiegung schließen. Besser als nichts. Der Papierkorb als immerhin sichtbares Zeichen einer produktiven Tätigkeit.
Eigentlich wollte ich heute ja mit den Themenblöcken für den Mathekurs Rochade spielen. Vor den Ferien hatten wir es schon mit den Parallelkollegen abgesprochen, hatten Gründe gehabt. Erst Analysis? erst Geometrie? Stochastik gleich wiederholen? oder erst vorm Abi? Nun ist die gesamte Absprache aus unseren damals nur noch notstromaggregatversorgten Köpfen verschwunden. Zeugniszeiten eignen sich nicht für Absprachen.
Und der heutige Abend ist nicht gemacht für erneutes Gründefinden. Morgen ist auch noch ein Tag, denke ich, als ich das Stoffverteilungsformular unausgefüllt wieder zuklicke.
Der Rest ist planloses, sprunghaftes, erratisches Herumstochern in anderen akut anstehenden Dingen. Listen, Formulare, Arbeitsblätter, Nachprüfungen wollen erstellt, erste Nachferienstunden, Schuljahreseinstiege, Kennenlernphasen, Wiederholungswochen konzipiert werden. Meine Gedanken und Mausklicks hopsen im Zickzack querbeet.
Wie gesagt: Morgen ist auch noch ein Tag.
(Für diese ersten Tage habe ich mir eine Zeitdeckelung gegeben. Ein weiteres Experiment im neuen Schuljahr: Schaffe ich es, bewusster mit meiner Zeit zu haushalten?)

1 Kommentar:

  1. o fein!
    wegwerfen ist so befreiend.
    viel vergnügen bei der weiteren vorbereitungs-arbeit.
    lg

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