Dienstag, 23. Juni 2009

Abischerz-Scherz

Wenn morgens die Schule verbarrikadiert ist, Schüler über Tische und Bänke klettern müssen um hineinzugelangen, was nicht ohne Verletzungen abgeht (allen Ernstes!), die Hälfte der Schüler klitschnass gespritzt ist, so dass man sie eigentlich nach Hause schicken müsste, wenn auf den Schulfluren ein Kuhmistgestank vom Besten herrscht (ja, unser Gymnasium liegt im dörflichen Raum!), wenn mit einer halben Stunde Verspätung endlich eine Art Unterricht beginnen kann, … an solchen Tagen will mir scheinen, dass ich entweder zu alt oder zu konservativ bin, um diese Art Streich als lustig und originell zu empfinden, um mir den Witz der Sache zu erschließen.

Wenn ich dann spüre, dass es sämtlichen Kollegen genauso geht, selbst denen die fast schon meine Kinder sein könnten, wenn das Konzept des Abi-Streichs auch in der Folge nur darin besteht, nass zu spritzen, Wasserbomben zu werfen, Hüpfburg zu hüpfen und Rodeo zu reiten, wenn weder Geistreiches noch Kreatives noch Witziges geschieht, … dann durchzuckt mich der Gedanke, dass am Ende wir – wir, die Schule! – in den vergangenen Jahren, als uns Diese anvertraut waren, Wesentliches versäumt haben. Jedenfalls bei diesem Jahrgang. Nun, das lässt sich nicht mehr ändern, denn ab heute haben sie „für immer Ferien“ (Formulierung meines Sohnes, als er morgens von mir wissen wollte, warum denn solch eine Menschenansammlung auf dem Hof lärmt).

Tja, und die Gummibärchenkette, mit welcher die Abiturienten uns Lehrern den Kopierer versperrt hatten, die wollte so gar nicht angetastet werden. Sie blieb hängen, unberührt bis zum Nachmittag, und wir bückten uns einfach darunter hindurch. Nein, süße Gummibärchenlaune wollte einfach nicht aufkommen, an diesem Tag.

Dieser Abi-Scherz war wohl eher ein Scherz.

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