Montag, 14. September 2009

Tag Eins nach den langen Ferien

Dieser Tag ist immer etwas Besonderes.
Besonders schwierig, morgens aus dem Bett zu finden und in Gang zu kommen,
besonders aufregend, was in der Schule für Neuigkeiten verkündet werden,
besonders anstrengend, weil plötzlich der Alltag wieder in unvermindertem Tempo zu absolvieren ist,
besonders schön, vertrauten Gesichtern und vertrauten Situationen wiederzubegegnen,
besonders erleichternd, weil sich in vielerlei Hinsicht die gespannte Atmosphäre der letzten Ferientage legt, weil wieder Normalität in die Tage einzuziehen beginnt.

Unser heutiger Tag war denn also von folgendem Sammelsurium gefüllt:
- das altvertraute, mich so mitleidig-mild stimmende, gehauchte „gleich“ aus Söhnchens Munde, wenn ich gegen halb sieben versuche, ihn aus dem Tiefschlaf in die Wachheit zu holen,
- der ebenso altvertraute Geschwisterstreit am Frühstückstisch um die begehrtesten Brotdosen,
- eine hektische Suche nach dem Zeugnisheft (nicht altvertraut) und eiliges Krakeln zweier Unterschriften (ähm: als Lehrerin hatte ich bisher ja gaaar kein Verständnis für Schüler, die ihr Zeugnisheft nach den Ferien nicht oder ohne Unterschrift dabei hatten mit der Ausrede, die Eltern hätten vergessen zu unterschreiben – nun bin ich schlauer und weiß, dass es tatsächlich an den Eltern liegen kann ;-)).
- empörtes Schimpfen vom Sohn, der völlig verhungert nach Hause kam, weil ich die Frühstücksdose in die Seitentasche des Ranzens und nicht ins Hauptfach gepackt habe – so hätte er sie ja nicht finden können,
- große Wiedersehensfreude mit dem Sportbeutel, der irgendwo im Schulhaus über“sommerferien“t hatte,
- fast zeitgleich ein nächstes Hände-überm-Kopf-Zusammenschlagen bei mir, weil stattdessen weder die Regenjacke noch die Mappe mit allen neuen Informationen einschließlich Stundenplan den Weg nach Hause gefunden hat – das fängt ja gut an :(,
- ein Telefongespräch mit einer Schulfreundinnenmutter, um den Stundenplan heute doch noch zu erfahren und die Kernzeitbetreuung entsprechend zu buchen (da ging dann aber niemand ans Telefon, also noch nicht gebucht, Kind ist betreuungsmäßig noch nicht versorgt – *grummel*),
- bei der Stundenplanlektüre ein entsetztes Realisieren, dass die Klasse am Donnerstag nur bis 11 Uhr Unterricht hat, die Kernzeitbetreuung aber erst um 12 Uhr öffnet (ja: was machen wir denn da??? – und dies sind keine rhetorischen Fragezeichen),
- Sohnemanns weinerlicher Bericht beim Mittagessen, dass er am Samstag bei der Aufführung für die neuen Erstklässler keine Theaterstückrolle abbekommen hat, sondern nur im Chor mitsingen soll,
- eine Aufbesserung seiner Laune, als er erzählt, dass er jetzt nicht mehr die gleiche Sportlehrerin und nicht mehr den gleichen Religionslehrer wie letztes Jahr habe, und dass die neuen Statt-dessen-Lehrerinnen nett seien, das habe Frau W. so gesagt, und was Frau W. sagt, stimmt immer, sagt der Sohn,
- ein geduldfordernder Nachmittag, an dem zwar noch keine Hausaufgaben, aber dafür 8 Kindergeburtstagseinladungen zu erstellen waren, was summa summarum mehrere Stunden und einige meiner Nerven in Anspruch nahm,
- eine Büchereibuch-Razzia im ganzen Haus, erfolglos bislang, nach dem Motto: das letzte Buch findet sich nie an.

Hach, das reichte.
Jetzt steht mir noch die Email an die Lehrerin bevor, wegen mehrerer Dinge, die ich ohnehin fragen wollte. Bin noch unsicher, ob ich die Sache mit dem berufstätigen-unfreundlichen Schulschluss am Donnerstag schon ansprechen soll – und stelle mir gerade vor, die Schule sitzt in der Patsche, ist wie immer vom Schulamt versetzt worden bei der Lehrerversorgung, arbeitet fieberhaft an einer für alle Seiten verträglichen Lösung, versucht gerade aus dem finanziellen und personellen Nichts eine Honorarkraft hervorzuzaubern, um die Schüler denn wenigstens zu beaufsichtigen in dieser Freistunde – und dann nervt so eine Mutter mit so ner Anfrage? Nee nee, dazu kenne ich die Misere des Schulsystems denn doch zu gut von innen, die können ja wohl auch nichts dafür – ich lass die Frage mal noch, warte ab, der Donnerstag ist ja noch drei Tage hin …

Uff. So banal war der Tag, so gefüllt, so anstrengend für mich, die ich immer noch angeschlagen bin. Froh bin ich, dass meine Aufregungen des ersten Schultages nicht auch noch dazukamen. Weil mein erster Tag ja erst am Mittwoch stattfindet, sozusagen. Obwohl ca. 50 dienstliche Mails im Postfach mir dieses Schulanfangsgefühl denn doch schon frei Haus hierher geliefert haben.

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