Freitag, 12. März 2010

Satzlängengedanken

Mir passiert gerade etwas Seltsames. Ich schreibe und schreibe - vieles fließt nicht in den Blog, sondern in meine stillen Bücher, mit denen nur ich spreche, oder als Brief und Email in verschiedenste Richtungen. Und dabei bemerke ich, dass manchmal - bei manchen Themen, in manchen Stunden - meine Sätze kürzer werden. Kürzer oder sogar kurz.
Das kam einfach so. Als schleiche sich eine ganz andere Sprache ein. War selbst erstaunt. Kurz stieg die Frage auf, ob ich wen imitiere. Schnell war sie wieder weg. Beantwortet: Wenn ja, dann nicht bewusst-gewollt. Wenn ja, dann hat es einen Grund, dass ich unter Dutzenden von Sprachen, welche ich lese, genau diese mir annehme. Den Grund, dass sie schon in mir war ...

Oft schrieb ich ewig lange Sätze, verknüpft durch Ketten von weil's und obwohl's und aber's und sogar's und dennoch's und ... und ... und... . Ein jedes Ding, welches ich in meine Sätze hineinzog, mit der Bürde der Kausalität, des Vergleichs, der Wertung versehen, in System, Struktur, Abhängigkeit gefesselt, mit nichtabzustreifenden Bedeutungstürmen belastet.
Nichtauflösbare Verwicklungen der Dinge ...

Nun werden die Sätze plötzlich kurz.
Ent-wicklung, irgendwie?
Ein Satz - ein Ding. Dazwischen höchstens und's.
Es gibt das. Und das. Und das. Und ...
Es ist so. Und so. Und so. Und ...
Da ist dieses. Und dieses. Und dieses. Und ...
Es ist, wie es ist.
Satz-Ent-wicklung. Ich-Ent-wicklung?

Ich lege die Dinge nebeneinander wie ein Mosaikbild. Betrachte sie. Ein jedes gut sichtbar. Ein jedes auf gleicher Ebene. Ein jedes gleichermaßen bedeutend.
Versuche mich nicht mehr an komplizierten Türmen, statisch gewagten Konstruktionen aus lauter Ding-Bausteinen. Die stürzen zu oft ein, weil manche Steinchen ihre Last nicht tragen können. Und noch etwas: Die tragenden Steinchen bleiben im Verborgenen, bei solch hohen Türmen. Immer.

===

Dass ich eben über lange Sätze in Vergangenheits-, über kurze in Gegenwartsform schrieb, war ein momentaner Impuls, nicht bewusst gesetzt. Morgen kann es wieder anders sein. Wer weiß, welche Sprache da zu mir kommt. Und mir noch ganz andere Dinge aufzeigt ...

1 Kommentar:

  1. Klingt ein bisschen wie meine ;-. Mal lang, mal kurz. Und oft so, als unvollständiger Satz nebeneinander gesetzt, durch Punkte getrennt.

    Schön. Gefällt mir.

    Lg
    Maria

    AntwortenLöschen