Sonntag, 10. Juli 2011

Samstag

Ein bisschen länger als sonst schlafen, Morgenstille im Haus, barfuß in den Garten, mit dem ersten Kaffee in den Sessel, später auf die Terrasse setzen, ein Buch, endlich wieder ein Buch. (Also: ein Nichtschulbuch.)
Darüber fast vergessen, dass wir ja einen Termin haben - und was für einen! Schnell, nun doch in unsamstäglicher Eile, frühstücken, anziehen, alles zusammenpacken, Abflug mit Cello und aufgeregter Tochter. "Ich freu mich so", flüstert sie mir ins Ohr, als wir im Zimmer des Cellolehrers auf die letzte Probe warten. Und kurz darauf setzt sie sich mit ihren Ein-Meter-sechs Länge und ihrem Minicello mitten in den Saal, wartet die Vorspieltakte des Bruders ab und spielt los. Grinst dabei an den Noten vorbei in meine Richtung und scheint sich des Lebens zu freuen, beim ersten Konzertchen ihres Lebens. (Dass diese erste vorgespielte Melodie ausgerechnet "Russisches Lied" - O-Ton Tochter: "Russiges Lied" - heißt und in Moll ist, freut mich dabei ganz besonders.) Nimmt ihren Beifall strahlend in Empfang und erinnert sich nach dessen Ende, dass sie sich  ja verbeugen wollte. Tut das dann, und alle lachen und klatschen noch ein bisschen :)
Später durch die Musikschule schlendern, am Tag der offenen Tür. Die Kinder zupfen und blasen und drücken an Oboe, Gitarre, Horn, Keyboard, Akkordeon herum, freuen sich, sind glücklich und bekommen genug Ideen, was man im Laufe des Lebens (oder am besten gleich morgen ;-)) noch alles so lernen könnte.
Zu Hause kurze Gedanken in Richtung Schulschreibtisch, und dann doch lieber wieder das Buch nehmen, den Garten, die Sonne, die Pflanzen besuchen, die Augen schließen, barfuß im Gras laufen.
Abends Besuch, unsere Klavierlehrerin. Musik tönt durchs Haus, und ein Sektkorken, und das Klappern von Messern und Gabeln.
Früh ins Bett. Müde und glücklich.

Ein Samstag, wie ein Samstag schon lange nicht mehr war. Ein Tag ohne Korrekturen, Umräumen, Seminarvorbereitungen, Schul-Emails. Einfach Samstag eben. Ich wusste gar nicht mehr, wie das ist. Ging aber trotzdem gut :) Und könnte so bleiben. Wenn da nicht immer noch 57 Klassenarbeiten lägen. Also heute wieder: kein richtiger Sonntag. Oder eben: Schuljahresendlehrersonntag. 57. Nicht sehen, wie groß diese Zahl ist, sondern nur: Vor einer Woche waren's noch 120. Dafür klingt doch 57 schon ganz gut. Weiter also ... das Elektroskop und seine Wirkungsweise ... das Energieproblem ... wie viele Ladungsträger ... wie kann man mit einer Stricknadel und einem Magneten ... und wie kommt die Energie von Deinem Joghurt in Dein Fahrradlicht? Die Themen meines Sonntags ...

1 Kommentar:

  1. Liebe Uta,

    ich möchte dir einfach einen lieben Gruß in den Sonntagabend schicken, wollte ich doch schon lange hier schreiben fand aber die richtige Ruhe nicht. In den Ferien (bei uns in 2 Wochen) sieht es sicherlcih wieder besser aus, bis dahin warten bei uns noch einige Baustellen auf ihre Fertigstellung :-)

    Liebe Grüße
    Rina

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