Montag, 4. Juli 2011

Von leichten Zweifeln ...

Derzeit setze ich mich mit jedem meiner 12t-Klässler zusammen. Rückschau aufs erste, Vorausblick ins zweite Jahr der Kursstufe. Um zu ertasten, an welchen Stellen der schulische Weg besonders zu begleiten, zu ebnen, zuweilen zu korrigieren wäre. Zehn der Gespräche sind um.
Uiuiui - eine solche Mannigfaltigkeit an Bedürfnissen, an Vorstellungen, Sehnsüchten, Sichtweisen, Zugängen ...
Nicht, dass ich das nicht vorher gewusst hätte. Aber es so komprimiert an wenigen Tagen in intensiven Gesprächen vor Augen geführt zu bekommen - da stellen sich leichte Zweifel ein: wie Schule überhaupt funktionieren soll? Also "funktionieren" im wünschenswerten Sinne: zugewendet, individuell, eingehend, wahrnehmend, respektvoll all dieser Mannigfaltigkeit gegenüber, die mir täglich in 30er-Haufen gebündelt gegenüber sitzt.
Lieber nicht drüber nachdenken.
Oder gerade doch drüber nachdenken!

***

Am Nachmittag ein Lehrerzimmergespräch. Über Burnout, und welche Symptome unzweideutig sind, und ob wir davon in uns wahrnehmen, jetzt kurz vor den Ferien, und wie nahe wir uns der Erschöpfung fühlen, und wie es sein könne, dass man als junger kinderloser Mensch nicht mal eine volle Stelle schafft, und dass man als Mann doch nicht einfach mal so zur Kur fahren darf, und wer denn bestimmt, ob man ("Mann") schon krank ist oder noch gesund, und ob man wohl ohne Schlaganfall und Herzinfarkt bis zur Pension kommt, und wie die Berge unseres Alltagsgeschäfts eigentlich anzugehen seien, heute, und diese Woche, und die bis zur Konferenz, und die vor den Ferien, und das ein (Berufs)Leben lang.
Noch so leichte Zweifel ...


Ein Happy End des Textes fällt mir nicht ein. Diese Kollegengespräche gehen mir an die Nieren. Auch wenn es derzeit überhaupt gar nicht um meine Müdigkeit geht. Wie ein Stehaufmännchen stehe ich neben all diesen Erschöpften. Aber das macht meinen Blick darauf umso bewusster, umso schmerzhafter.

Ich bin dann mal wieder korrigieren.

Kommentare:

  1. Mir scheint, Du besitzt sowohl ein schönes inneres Öfchen, als auch eine Superseelenkrafttankstelle. Du hast es gut getroffen...wenn nur die Ausgebrannten um Dich herum eine kleine Menge Kraftdünger bekämen...aber das sollte deren Sorge sein, Du gutes Herz. Echt.
    Allein diese Gespräche mit den jungen Leuten, booah....
    Gruß von Sonja

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  2. Ja, eine Öfchen-Seelenkrafttankstelle :)

    Aber ganz deren Sorge ist es doch nicht. Schließlich arbeiten wir zusammen am Gleichen. Und es ist bei uns im Kollegium v.a. deswegen so warm, weil wir uns gegenseitig wahrnehmen. Daraus ziehe ich jede Menge Kraft. Habe schon oft daraus aufgetankt.
    Und nun habe / hätte ich welche übrig. Nur: ob man die abgeben, teilen kann???

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