Donnerstag, 17. Dezember 2009

Nachgemessen

Weil wir uns in den siebten Klassen gerade wochenlang mit Akustik beschäftigt haben und das letzte Thema „Lärm“ hieß, lag da immer das Schallpegelmessgerät auf dem Lehrertisch. Gestern und heute habe ich es mitlaufen lassen.

Aha!!! (Drei Ausrufezeichen!!!)

(Ich füge in rot Richtlinien oder gesetzliche Vorgaben aus allgemeinen Arbeitsschutzbestimmungen ein.)
Und noch vorab erläutert, damit die Werte auch richtig eingeordnet werden können:
10 Dezibel mehr ist nicht nur ein bisschen mehr, sondern bedeutet jeweils doppelte Lautstärke.
20 Dezibel mehr - vierfache Lautstärke,
30 Dezibel mehr - achtfache Lautstärke usw.



40 dB
empfohlen für überwiegend geistige Tätigkeit
(z.B. Schüler schreibt Klassenarbeit - das würde ich jetzt mal als "geistige Tätigkeit" bezeichnen)

45 dB
Minimum, welches im Klassenraum bei allgemeiner Regungslosigkeit erreicht werden kann, also allein der Hintergrundgeräuschpegel des Schulhauses

48 dB
Minimum im Physikraum (der ist halliger), 33 Schüler rühren sich nicht, sitzen mit angehaltenem Atem, Baustelle vor dem Fenster hat auch gerade Frühstückspause

50 dB
Richtwert für Bürotätigkeit

50-55 dB
Klassenarbeitsatmosphäre, einzige Schallquellen sind Stühledrehen, -rutschen, und -quietschen, Stifte aus den Mäppchen holen, Papierrascheln, Körperbewegungen der Schüler

55-60 dB
Stillarbeit in einer seeeehhhhr konzentrierten Klasse, einzelne Schüler flüstern miteinander

70-75 dB
Gruppenarbeit in ruhiger Klasse, 33 Schüler reden miteinander in Vierergruppen, dadurch wird es immer unruhiger, alle paar Minuten „klingele“ ich es mit meinem Glöckchensignal wieder von ca. 75 auf 70 dB runter

80 dB
wenn man dem über längere Zeit am Tag ausgesetzt ist, so ist vom Arbeitgeber Gehörschutz bereitzustellen

75-85 dB
Gruppenarbeit in unruhiger Klasse, zum Beispiel in der 7b am Nachmittag, jedes „Runterklingeln“ wirkt nur für Sekunden; manchmal breche ich die Arbeit ab, aber irgendwie muss ich ja unterrichten
(und nein, man sage mir jetzt nicht, ich hätte meine Schüler nicht „im Griff“ – ich glaube, das habe ich durchaus, soweit das heutzutage eben möglich ist)

85 dB
Gehörschutz ist Pflicht, regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen notwendig
(Na, das wäre doch mal 'ne Idee: wenn die Schüler zu unruhig werden, setze ich mir mit großer Geste einen Kopfhörer auf ... ein Hingucker isses bestimmt, das Unterrichtsgespräch verläuft für mich dann weit stressfreier, denn ich fühle mich ja in meiner Rede nicht immer von zwischenquatschenden Schülern gestört, muss nicht ständig mittendrin meinen Satz abbrechen und nach 23 nonverbalen Störungsinterventionen an der gleichen Stelle fortsetzen ... hach, wunderbare Vorstellung! Und sollten Eltern gegen dieses Vorgehen Einwände haben, verweise ich einfach auf die Arbeitsschutzrichtlininen ;-))) )

85-90 dB
Pausenlautstärke, sowohl im Raum als auch auf dem Schulflur, vormittags wie nachmittags
(Wo sind meine Kopfhörer???)
Auf dem Schulhof haben wir nicht gemessen, ich denke aber, im Freien sollte es weniger sein; von daher werde ich fortan meine Hofaufsichten in der "Stille" besonders genießen.

100-120 dB
Klasse bemüht sich um maximale Lautstärke; es stellt sich heraus, dass die einzelnen Klassen in dieser Disziplin unterschiedlich begabt sind :))
(Wir probieren das in der Pause, damit nicht im ganzen Schulhaus alle anderen vom Stuhl fallen.)


So.
Jetzt wissen wir’s.
Naja, gewusst hatte ich’s schon, dass Lärm die stärkste Arbeitsbelastung bei uns Lehrern ist. Aber es so eindrücklich schwarz auf weiß vor sich zu sehen - puh!

Mir selbst fällt es meist gar nicht auf. Erst jetzt, wo ich meine Wahrnehmung darauf richte, spüre ich es deutlich, kann gar nicht mehr weghören von dem permanent hohen Hintergrundgeräuschpegel im Schulhaus und all den – wirklich lauten – Geräuschen um mich herum. Und weil ich gerade noch ein wenig erkältet und ziemlich ferienreif bin, strengt es mich wohl besonders an. Jedenfalls spüre ich seit gestern einen unangenehmen Druck auf den Ohren.

Bleibt mir nur zu hoffen:
Liebe Ohren, bitte haltet noch ein bisschen durch. Nur noch 25einhalb Schuljahre – dann habt ihr’s schon geschafft :))

(Quizfrage an die Schüler übrigens: Bei wie vielen Lehrern unser Schule findet ihr im Ohr Hörgeräte? Fünf Namen konnten sie sofort nennen, die anderen sind unauffälliger. Ich glaube, es sind über 10, bei 60 Kollegen, und wir sind ein unterdurchschnittlich junges Kollegium.)


PS.
Und wer sich fortan wundert, wenn ich auf einer Geburtstagsfeier am Freitag abend als Spaßbremse auftrete und darum bitte, die Hintergrundmusik leiser zu drehen, was unverständige bis empörte Gesichter in der Runde nach sich zieht - die Musik sei doch schön?! (Ja schon, schön vielleicht, aber eben mit Geräusch verbunden ...)
Jetzt wisst ihr ja, woran das liegt. Es strengt mich wirklich an.

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