Donnerstag, 3. Dezember 2009

Unentschieden

Nie hätten wir gedacht, dass es mitten in Berlin ein richtiges Dorf gibt:
in dem man vergisst, mitten in der Großstadt zu sein,
in dem Kühe, Pferde, Felder und Ställe beheimatet sind,
in dem das nächste Hochhaus, die nächste laute Straßenecke Meilen entfernt zu sein scheint.
Da haben wir Jahre in dieser Stadt gewohnt, und kannten doch Lübars nicht.

Im Sommer erst, bei einem Besuch in der Stadt, haben wir es entdeckt. Sagt mein Mann unvermittelt: „Wenn wir wieder nach Berlin ziehen, wollen wir hier wohnen …“. Kurzentschlossen und spontan wie selten. Ich stimme ihm zu, ebenso spontan, und ganz ehrlich gemeint.

So einfach ist eine Entscheidung zu fällen, wenn sie keinerlei Relevanz hat. Denn wir werden nicht nach Berlin ziehen, nie wieder wohl. Da kann man solch eine Entscheidung schon mal in einer Minute treffen.


Wie schwer aber kann es bei "echten" Entscheidungen sein, wenn im Nebel verborgen bleibt, wie die einzelnen Wege weiter verlaufen werden?

Wenn der eine Weg einer ist, den ich eigentlich immer gehen wollte, wobei ich nie wusste, ob er sich mir einmal eröffnen würde, und obwohl ich nicht genau weiß, in welche Landschaft er führt?

Wenn der andere Weg, der weniger Veränderung, eher ein Verweilen bedeutet, mir im Moment aber gangbarer, meinem Jetzt angemessener scheint?

Was aber, wenn ich mir mit dem Hierbleiben etwas verschließe? Denn die Tür, die sich mir öffnet, wird dann vielleicht für lange Zeit verschlossen bleiben.

Jedoch, wer weiß, ob es hinter dieser Tür genauso ausschaut, wie ich es mir jetzt denke? Oder ob die Landschaft, selbst wenn ich sie mir gut vorstellen kann, eine ist, in der ich mich dann heimisch fühlen werde?

Hier, wo ich jetzt bin, ist es doch gerade gut. Jedoch: werde ich das in ein paar Jahren auch noch sagen können? Verbrauche ich mich hier? Verpasse ich eine Gelegenheit?

Und dann immer wieder: Gerade jetzt, in diesem Jahr, passt es eigentlich so gar nicht hinein. Wenigstens zeitlich ist es schwierig.

Aber inhaltlich habe ich schon tausend Ideen im Kopf, die sich mir sofort eingestellt haben, als ich von der Möglichkeit erfuhr, weil ich sie schon immer verwirklichen wollte.



Seit zwei Wochen schiebe ich die Pro- und Kontra-Argumente im Kopf hin und her.
Ach, ich weiß überhaupt nicht ...




Nein, sagt mir jetzt nicht, ich solle in mich hinein lauschen, bis sich dort eine Antwort eröffnet. So mag es sein, bei den wesentlichen Entscheidungen des Lebens.

Diese hier - hm - zählt nicht dazu. Soviel immerhin ist mir klar geworden, in den letzten Tagen. Weder ein Ja noch ein Nein wird das Fundament meines Lebens berühren.

Und außerdem habe ich nicht Zeit, bis sich mir das Richtige zeigt. Nachdem er mir gestern am Telefon nochmals "Verlängerung" gab, muss ich nämlich spätestens in drei Tagen den Kollegen anrufen und zu dem Angebot Ja oder Nein sagen. Sonntag ist Fristende.


Was also: Ja oder Nein???

Kommentare:

  1. liebe uta,

    ich lese da eher ein ja raus. :)

    liebe grüße heike

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  2. Dein Eintrag ist zu kryptisch als das icg Dir zu "ja" oder "nein" raten könnte.
    Aber wahrscheinlich willst Du auch gar keinen Rat bzw. kann Dir keiner aus der ferne raten.

    Ich hasse Entscheidungen, bei denen sich Pro und Kontra genau die Waage halten.

    Hilft Dir jetzt nicht wirklich weiter.

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  3. Liebe Uta,

    raten kann ich dir leider auch nicht zu einem Ja oder Nein, dafür kenne ich dich und dein Leben leider zu wenig. Wenn du Lust hast, lies doch mal mein letztes Post, gestern habe ich ganz fest an dich gedacht :-)

    Liebe Grüße
    Rina

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  4. So als Tipp: Aufschreiben in einer Liste, die Argumente. Nicht nur im Kopf hin und her schieben. Schreibt man sie auf, sieht man alle im Überblick, sieht man vielleicht auch eher die Tendenz.

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