Freitag, 20. August 2010

Freundebesuch

Über Verantwortlichkeiten, hier drinnen und da draußen, sprechen wir, über Dinge, die man nicht ändern und solche, die man unbedingt angehen sollte. Und was das heißt, wenn uns Schüler begegnen, für die sonst niemand verantwortlich sich fühlt. Welche Wege da sind, mit Schuld umzugehen, und dass nicht alles mit den Nächsten zu besprechen sei. Wie traurig sich manches im Innern anfühlt, ob und wem man dies teilt --- und dass wir uns viel öfter treffen sollten.

Am Abend kommen die Männer dazu, und die Gemüselasagne.
Das Gespräch wendet sich Bücherwelten zu. Schriften aus Mittelalterszeiten, und ob die mit weißen Handschuhen oder in stark gekühlten Archiven oder erst nach Benutzung eines SpezialschweißvondenFingernwisch-Tuchs umgeblättert werden dürfen – er forscht an solchen und kennt die Handschriftenabteilungen Europas von innen. Spannend, das Leben von vor anderthalb Jahrtausenden mit Händen zu berühren. Und diese Hände halten jetzt das Weinglas zum Anstoßen.

Neuere Bücherwelten: DDR-Literatur, ob das überhaupt welche sei. „Wie der Stahl gehärtet wurde“ und „Zement“ heißen die Titel, wir alle haben sie gelesen, damals. Ersteres sei das meistverkaufte Buch im China dieser Tage, wusste ein Sinologe in einem Vortrag zu berichten. Warum das so sei – diese Frage stellte der sich nicht. Aber wir.

Von der Deutschlehrerin erzähle ich, die ehrlichst an alles glaubte, was da im DDR-Land geschah, vor vielen Jahren, die auf das Gute hoffte und es uns aufzeigte. Immer wieder. Mit der Güte ihrer Augen. Die mit ihrer Ehrlichkeit uns ermutigte, im Nathan-Aufsatz offen über unseren Glauben zu schreiben – und dann Tränen in den Augen hatte, wenn jemand dieses Vertrauen aufbrachte, diesen Mut. Man wusste ja nie, damals. Ob sie das der Klasse vorlesen dürfte. Ja, sie durfte. --- Solchen Menschen müsste man viel häufiger begegnen. Als Lehrer zumal.

Währenddessen spielen die Kinder oben „Disko“. Holen uns zur Vorführung hoch: Vorhang, Farbiglichter, Radiomusik, die ihnen tanzpassend scheint, Sonnenbrillen und Baseballcaps. Und tanzen wild herum, mit Luftgitarre und Knierutschen. Wir lachen und sind erstaunt, woher unsere fernsehfrei aufwachsenden Kinder dies kennen. Vom Shaun das Schaf. Aha. Die Welt dringt auch in die behütetsten ;-) Kinderzimmer. --- Noch glauben sie, dass Disko eine Vorführung ist, die man auf ner Bühne präsentiert. Na, das werden sie schon noch lernen, in 10 Jahren. Oder früher.

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