Mittwoch, 11. August 2010

Studentenstadtreminiszenzen

Warum eigentlich suche ich diesen Ort nicht öfter auf, denke ich, als ich mit der Freundin auf der Brücke stehe. Ein Hauch von Urbanem durchweht mich. Und dieses Fluss-Berg-Panorama, das jeden Tag, jede Stunde fast in einer anderen Farbe gestimmt ist, das meinen Blick stets fesselte, als ich damals täglich, mehrmals täglich, über die Brücke radelte. Heute stehe ich am Rand, blicke den Radfahrern nur ins Gesicht. Stelle mir Geschichten vor, über deren Leben in der Stadt, die mal die meine war. Und erwarte jeden Moment, eines der entgegenkommenden Gesichter zu erkennen – da muss doch noch jemand sein? - Nein, heute niemand von damals.

Ein wohliges Gefühl beim Eintauchen in die Vergangenheit, in mein vergangenes Glücklich-Leben. Diese Mischung mit dem Gegenwärtigem, dem so ganz Anderen – das ist schwer zu trennen, ist unwirklich. Wie im Traum laufe ich durch die Straßen, ein Tagtraum in Vergangenwart (woher habe ich dieses Wort? – es ist nicht von mir, es flog mir mal zu).

Als plötzlich der Literaturwissenschaftsprofessor am Nachbartisch des Straßencafés sitzt – dieser hier (klick, wer mag) – da ist die Brücke in vergangene glücklichste Studierzeiten perfekt. Fast vergesse ich die Jetzt-Zeit. --- Doch nein, ich spreche ihn nicht an, wozu auch, und er würde sich wohl nicht erinnern. Alles ist anders, auch er sitzt nicht mehr mit jungen Studentinnen am Tisch, ist lange emeritiert. Wozu mit einem schalen Nachgespräch die Zeiten eintrüben, in denen wir verehrend und begeistert den Gedankenflügen seiner Vorlesungen versuchten zu folgen. Selbst flügge wurden, dabei.

Stattdessen beobachte ich Touristen – bin ja jetzt auch eine :) - und Hiesige: Mütter und Familien. Stelle mir deren Lebensgefühl vor, weiß nicht, ob ich tauschen möchte. Ich sitze ja hier als Studentin, so im Innern. Oder doch nicht, frage ich mich? Während meine Kinder friedlich auf dem Spielplatz spielen, gleich neben dem Café.

Als ich abends mein Haus betrete, sehe ich es mit anderen Augen als morgens. Spüre sehr die zwei Bier in mir, und das Gefühl, dass ich die damals nie so deutlich gespürt habe. Und bringe zwei Kinder ins Bett – das lässt sowieso alles anders sein als damals.

Ein Vergangenheits-Jetzt-Tag. Gute Mischung.

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