Dienstag, 17. August 2010

Italien: Der Rom-Tag

Das Wetter, das hier vor dem Fenster tobt, schreit geradezu danach, sich mental in sommerbessere Zeiten zu versetzen. Menno, ich gehöre ja sonst nicht zu den Überswetterjammerern, aber so herbstige Sommerferien hatten wir hier noch nie :(
Also ab in die Sonne mit uns:


Mittwoch, 26. Mai

"In die Nähe von Rom", hatten wir die Frage nach dem Wohin unserer Italienreise stets beantwortet. Vor zwei Jahren waren wir täglich von hier aus in den Zug gestiegen und hatten unter allergrößter Sohnesbegeisterung einen alten Stein nach dem anderen angeschaut. Diesmal fehlt uns der rechte Antrieb, auch der der Kinder, uns dem Tumult der großen Stadt auszusetzen.
Einmal machen wir uns dennoch auf den Weg - Kinderattraktion: Doppelstockzug oben - übrigens: die Fahrkarten kosten immer noch nur 1 Euro (!)


Es hat schon etwas Atemberaubendes, plötzlich inmitten dieser alten Welten zu stehen.


Mindestens ebenso atem(be)raubend ist es allerdings, wenn gleichzeitig zwei Kinder und einhundertsiebenunddreißig Autos über dieses Stück Straße brettern - ich weiß gar nicht, in welcher Sekunde ich ein solch ruhiges Foto aufnehmen konnte, ich erinnere mich tatsächlich nur an einen Fastherzinfarkt nach dem anderen.


Glücklicherweise heißt unser Ziel nicht Stadtbummel - dann hätte ich alsbald entnervt aufgegeben - sondern Kapitolinische Museen. Noch nie waren wir da.
Also hinauf ...


... und hinein. Zur Wölfin ...


... mit Romulus und Remus ...


... und Marc Aurel ...


... und alten Grabstätten ...


... und sterbenden Galliern ...


... und Mosaikböden ...


... und Philosophen ...


... und so manch anderem. (Ha: in Wikidingens sind zum Teil die gleichen Fotos wie hier :))
Ich staune immer wieder über unsere Kinder, denn die machen das gut mit. Fragen, lassen sich erzählen, durchleben die alten Welten auf ihre Weise.
Und durchrasen die Flure, wenn die Blase drückt - denn Toiletten gibt's nur in einem der Gebäude an dessen oberen hinteren Ende. Etwa 5 Minuten Flurrennweg. Dreimal mit der Tochter, zweimal mit dem Sohn, sage ich nur. Wir kennen die Gänge jetzt gut ;-)

Von dort oben übrigens wunderbare Blicke ins Forum Romanum und zum Palatin - so schön übersichtlich liegt einem das sonst nicht zu Füßen ...










Wir sitzen lange und schauen - ein bisschen schade ja schon, dass wir dieses Jahr nicht drin umherwandeln.

Aber spätestens als wir erschöpft das Museum verlassen und, auf den Eingangsstufen sitzend, das Verkehrsgetümmel von unten grollen und hupen hören, uns dabei ertappen, wie wir den Sprung hinein scheuen ...


... um ihn schließlich doch wagen zu müssen  ...


... da weiß ich, dass mir dieses Jahr nicht nach einem zweiten Romtag zumute ist. Wir sind ja nicht zum letzten Mal hier, die Kinder werden größer und so, denkt es in mir.

Ein letztes Innehalten vor der Heimfahrt ...


... und dann verschlucken uns die proppevollen Fahrzeuge des Berufsverkehrs, um uns zu unserem See zurück zu bringen. Es ist wie Heimkehren.

Rückfahrtserlebnis:
Wir wollen am Bahnhof, da draußen vor den Toren der Stadt, für unsere frisch erworbenen Postkarten Marken kaufen - der Kapitol-Museumsladen ist nämlich nicht nur kinderunfreundlich, sondern auch briefmarkenfrei.
"In Rom, nur in Rom", antwortet man uns. Wir ordnen das unter Feierabends- oder meinetwegen Touristenunfreundlichkeit ein. Grinsen und schütteln den Kopf. Können in dem Moment noch nicht ahnen, dass wir diesen kleinen Papierschnipseln, die es früher an jeder Ecke gab, von nun an hinterherjagen werden. Tagelang, ungelogen.
Als wir schließlich Erfolg haben - in einem Dorfpostamt, mit halbstündiger Schlange und unter fast russischen Verkaufsbedingungen :) (aber das ist eine andere Geschichte ...) - ist mir das Kartenschreiben weitestgehend vergangen. Daher gab's in diesem Jahr nur spärliche Lebenszeichen. Während der dann großzügig erworbene Markenvorrat jetzt hier zu Hause auf seinen nächsten Urlaubseinsatz wartet ...



Blick aus dem Fenster - unverändert. Wenn die Regenstürme heute nicht mehr aufhören, könnte es sein, dass ich mich noch in einen weiteren Italientag flüchte ... später dann ... mit viel Sonne und See und Wiesen und Schritten auf diesen ...

Kommentare:

  1. Wahnsinn, liebe Uta! Ich war das letzte Mal 1990 in Rom, und doch kommt mir alles immer noch sooo vertraut und bekannt vor. Meine Sehnsucht ist geweckt, mal wieder :-)

    Liebe Grüße
    Rina

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  2. ich war noch nie in rom- nur unendlich viele bücher darüber gelesen und den erzählungen meiner lateinlehrer gelauscht. diese fotos vermitteln, weil sie schön persönlich gefärbt sind, weitere, wunderbare eindrücke- ich glaube gar, ich muss da nicht mehr hin...lieber mal nach israel.
    gruß von sonja

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  3. Das eine schließt das andere ja nicht aus :)
    Und nach Israel käme ich auch mit ...

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  4. @rina:
    und ich ein jahr davor :-)
    schwanger.........

    wir versuchen seit zwei jahren eine bezahlbare unterkunft dort zu finden (für 8 personen!!), wohl ein ding der unmöglichkeit?!
    (danke dir übrigens für den blogschlüssel und deinen lieben kommentar zu eneas kg-beginn!!!!!!)

    @uta und sonja:
    da komme ich mit, bitte, bitte!!!!!

    :-))) christina

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  5. Ich war 1881 und 1983 dort, und doch kommt mir auch vieles noch sehr bekannt vor. Den allertiefsten Eindruck hat jedoch beide Male die Abreise hinterlassen, den Wechseln innerhalb von Stunden nach Assisi, wo ich wie aus einem lauten Traum erwachte und wieder zu atmen begann.
    Ich würde nicht mitkommen nach Rom, wohl aber dort hinauf in das Städtchen am Berg, am besten an einem stürmischen Regentag, wo keine Touristen die engen Gassen verstopfen.
    Damals, ich war ja erst 17, hätte ich wirklich beinahe alles liegen und stehen gelassen und hätte mein Leben der Einsamkeit und dem Schweigen übergeben.
    Herzlich
    Gabriela

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  6. Wunderbar, wie eure Kinder da mitgemacht haben. Und die Fotos vom Forum und Palatin haben mich schon sehr erfreut. Ich war ja noch nie in Rom, habe aber zwei Romführer, weil ich eben schon vor vielen Jahren einmal gerne hin wollte. Wer weiss, wann das sein wird ...
    Und was die Briefmarken angeht, habe ich ja scheinbar richtig Glück gehabt in meinem kleinen Dolomitendorf. Postkarten im Supermarkt gekauft und dann weiter zur Post, die die Marken hatte. Ganz ohne Anstehen. Anschließend ging es aber gleich auf die Berge hoch und die Karten warteten brav im Auto im Dorf auf uns. Eine Woche später schnell noch geschrieben und schon auf dem Heimweg in einem der Nachbardörfer eingeworfen.

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