Dienstag, 14. September 2010

Dahinterblicken - hineinschauen

Im großen Raum empfangen sie ihre "Einweisung in die Oberstufe". Ich kenne diesen Jahrgang nicht, sehe nur unbekannte Gesichter. Und darin scheint Langeweile, Belustigung, Müdigkeit. Eine Null-Bock-Atmosphäre vibriert. Augenrollen, ein wenig Empörung, ein wenig Verweigerung bei der Bekanntgabe der neuen Formalia, der neuen Regeln.
Ich suche die Augen, und bin irritiert.
Keine ermutigende Stimmung hier.

Hinterher, in kleiner Runde, nur meine 22, Kursorganisation, erste Mathestunde, erstes Zusammenfinden - ich mit ihnen - wird plötzlich alles anders. Sie öffnen sich, zeigen sich wach, aufgeschlossen, zugewendet. Eine fast schon vertraute Atmosphäre - so schnell wie selten. So froh werde ich in diesem Moment: zwei Jahre mit denen liegen vor mir.

Welch plötzlicher Wandel!
Hatte ich vorhin meine Augen nur nicht geöffnet?
Oder hatten die Schüler sich so gut verborgen?

Es sind diese kleinen und großen Erlebnisse des Dahinterblickens, die mich bei meiner Arbeit so beglücken. Hinter Fassaden voller Schminke, hinter Mauern des Schutzes, hinter harte Schalen der Abwehr schauen - und erkennen, wer sich tatsächlich dort verbirgt.

Ich werde schuljahresvorfreudig gestimmt.
Und nachdenklich: Auf mich selbst sollte ich ganz genauso zugehen.
Dahinterblickend, hineinschauend, eintretend ins verborgene wirkliche Ich. (Dies ist die weit schwerere Aufgabe für mich.)

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