Mittwoch, 22. September 2010

Tschechienreise, erste Bilder

Fast zwei Wochen sind wir wieder da. Wie schnell die vergingen.
Jetzt oder nie. Wenn ich nicht jetzt - in der zweiten Schulwoche (das innere und äußere Startchaos ist bewältigt, die ersten Korrekturen liegen noch nicht auf dem Schreibtisch) - meine Fotos sortiere, dann wird das auf lange Zeit nichts.
(Dann geht es mir so wie mit meinen Italienpfingstbildern - die sortiere ich vermutlich dann in den grauen Novemberwochen, oder im Januar, oder aber vor den nächsten Pfingstferien :) )

Jetzt also. Wir fuhren ein paar Tage nach Jindrichuv Hradec in Südtschechien.

Erstmals seit zwanzig Jahren bin ich in Tschechien. Nehme die verblassten Erinnerungen vieler Kindheitsurlaube mit, und die Neugier, welch andere Welt in diesem Land nun Einzug gehalten habe.

Die Reise beginnt mit meinem Staunen - über diese Grenzöffnung nämlich, über den Abbau der Grenzanlagen.
Klar, ein alter Hut, EU und Schengen, nicht erst seit gestern, das wusste ich ja aus der Zeitung. Doch dies ist wieder so ein Moment, wo ich es ungläubig und mit einem Schauder auf dem Rücken wahrnehme: das Damals und das Heute, und was dazwischen geschehen ist. Versunken stehe ich vor diesem Kran ...



Von der stundenlangen Landstraßenfahrt gibt es keine Fotos, nur innere Bilder: ich sauge mit den Augen auf, was ich  zu fassen bekomme. Neu-Vertrautes - ja, es ist eine Mischung von beidem.

Ankunft im Städtchen: ich staune wieder. Diese Mauerblumen, fast nicht zu glauben wo sie wurzeln ...





Hier ziehen wir für die fünf Tage ein ...



... und so zeigt sich uns das kleine Städtchen. Das heißt: mir. Meine Männer waren hier letztes Jahr auf einer Musikreise, schauen anders, erkennen an jeder Ecke etwas wieder, überschlagen sich im Erzählen vom letzten Jahr. Ich höre zu und schaue ...









Das viele Wasser hier! Schon auf der Fahrt sahen wir Weiher an Weiher. Hätten wir 10 oder 20 Grad mehr - ich wüsste, wie unsere Tage hier ablaufen würden :) Leider herrscht spätherbstliche Kälte, 10 Grad oder so - ich will es gar nicht genau wissen :(





In solchen wassernahen Lokalitäten zu sitzen, muss wunderschön und innig sein. Wie gesagt, wenn es ein Quäntchen wärmer wäre ...



Es ist mir eine Reise in die Vergangenheit. Ein Hauch von Altvertrautem überall - nicht nur in Autoform :)


In den Schuhgeschäften noch die gleichen (typischen?) Ballerinas wie vor zwanzig Jahren - damals haben wir die auf Vorrat gekauft, für die Monate zwischen den Tschechienurlauben.
Straßenmusik am Freitagabend, Pink Floyd und Mark Knopfler selfmade, so wie bei uns damals, die Stimmung, das Bier auf der Straße ausgeschenkt, das Zusammensein. Man winkt uns hinzu, uns Fremde.
Der Geruch auf den Straßen ist mir vertraut, ohne dass es mir bewusst wird. Erst als mein Mann stöhnt, hier sei wieder dieser typische Kohlegeruch und mein Sohn ausruft, wie's denn hier stinke - da weiß ich, wovon alle immer redeten, früher, kurz nach der Wende. Auf den Straßen im Osten würde es so anders riechen - ja, wie hier! Man möge es Gestank nennen - mir verursacht es wohlige Kindheitserinnerungen :)

Diese Dächer - nein, an die mag ich mich nicht entsinnen. Aber sie erinnern mich an Russland. Und meinen Mann an Österreich. Wir hängen beide in der Vergangenheit, bei diesem Anblick. So ist das mit den Erinnerungen ...



Und noch etwas: Beim Essengehen möchte man gern das Doppelte bezahlen. Möchte jedenfalls ganz still und unauffällig sein. Am liebsten gar nicht deutsch sprechen. Fast ducke ich mich. Weiß noch zu gut, wie damals "andere" Deutsche laut tönten, wie billig alles sei - damals, als es für "uns" noch alles andere als das war. Jetzt bin ich reich - und schäme mich.


Wir fahren ein wenig im Land umher. Nach Tabor ...






... und nach Cervena Lhota ...


... und noch in zwei wunderbare Städtchen - von denen ich zu viele Fotos habe, als dass ich sie jetzt noch eben sortieren könnte. Die kommen später. Das hier war immerhin schon mal ein Anfang, von unserer wunderbar ruhig-stimmigen Woche zu erzählen.




Fortsetzung folgt ...

Kommentare:

  1. schöne bilder. fein, dass es euch gefallen hat. - eine andere welt. noch ein wenig langsamer und gemütlicher.
    lg
    ingrid

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  2. Ja, Ingrid, es war sehr schön. Andere Welt - für mich ja von früher noch vertrauter, und doch. Ein wenig kann ich im Nachhinein nachvollziehen, wie "Ihr" Euch damals in der DDR gefühlt habt. Auch wenn es nicht mehr wie damals ist - habe gerade Fotos aus alten Alben gekramt :)
    Und DANKE für den Telc-Tipp. War einer der besten Tage. Fotos kommen noch.
    LG Uta

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  3. Wie gut.
    Wie anders.
    Fortschritt-Rückschritt- egal, Anders-Schritt...
    Dieser schmutzige Geruch über allem, der schien mir gar manche Eindrücke mit Gift für unsere zarten Lungen zu überfärben, leider.
    Eine Atmosphäre, die nirgendwo anders zu haben ist.

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  4. Siehste, ALLE kannten den Geruch! Nur ich wusste bis vor drei Wochen nicht, was alle immer meinten :)))
    (Und: wenn schon Gift, dann süßes - in meiner Nase ;-) )

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