Montag, 27. September 2010

Mitteilungen der Woche

In einem Brief unserer Schulleitung, an alle Eltern: Die ausgebildete Theaterpädagogin, die seit Jahren das Schultheater leitet, erfolgreiche Aufführungen inszeniert, für ein Taschengeld, solle endlich angemessen(er) bezahlt werden, leider sind keine Gelder dafür da. Die Eltern der teilnehmenden Kinder (und andere auch) werden um einen kleinen finanziellen Jahresbeitrag gebeten, um unseren Schülern diese wertvolle Arbeitsgemeinschaft erhalten zu können.

In einem Schulflurgespräch in der Grundschule: Die pensionierte ehemalige Lehrerin meines Sohnes wird den Chor auch dieses Jahr noch leiten. Überraschenderweise. Oder auch nicht. Sonst seien nämlich keine Gelder dafür da, keine Lehrerstunden. Sonst würde er aufgelöst werden, der Chor.

In einem Elterngespräch im Kindergarten: Die Musikerin-Siebenfachmutter, die bisher für ein geringes Entgelt für alle Kinder wöchentlich eine Stunde "Musikgarten" angeboten hat, kann in diesem Jahr nicht mehr finanziert werden.

Drei Mitteilungen innerhalb einer Woche.

Lesewerkstatt und Knobelclub im Kindergarten, die "Rechenpiraten" in der Grundschule, Förderangebote im Gymnasium bleiben bislang erhalten - diese Arbeit wird von Eltern schon immer unentgeltlich geleistet.

Wände streichen tun sie auch, die Eltern, und Spielplätze bauen, und Schulveranstaltungen als Aufsichtspersonen begleiten. Unentgeltlich.
Kuchen backen sowieso - das weiß jede Schulkindmutter. Sonst würden die letzten simplen Projekte von Schulseite nicht mehr finanziert werden können, ohne die Einnahmen aus Kuchenbasaren.

Mir ist klar, dass wir auf hohem Niveau jammern, hier im Süden. Wir sind nicht auf dachdeckende, heizungsinstallierende und toilettenreparierende Eltern angewiesen. Noch nicht.
In Berlin haben wir es so erlebt. ... Bald auch hier?

Arm, arm, arm, unser Land.


PS.
Keine fünf Minuten habe ich das Post veröffentlicht, da kommt mir auf dem Schulflur zufällig zu Ohren, dass zum Jahreswechsel zwei unserer drei Hausmeister in Rente gehen. Vielleicht würde ein neuer eingestellt, vielleicht auch keiner.
Na - da wird das doch noch was mit Toiletten- und Heizungsreparaturwochenendeinsätzen für engagierte Eltern :(

Kommentare:

  1. Ich bin immer wieder fassungslos wenn ich so etwas lese. Und wenn ich den Zustand mancher Berliner Schulgebäude sehe, dann wird mir ganz anders. Kein Wunder, daß die Kinder sich an solchen Orten nicht willkommen und geschätzt fühlen. Über die Folgen braucht man sich dann nicht zu wundern.

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  2. Und irgendwelchen Banken wird das Geld in den Rachen geschoben. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich k* möchte. :-(((

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