Dienstag, 28. September 2010

Zu lernen

BEOBACHTE!!
Es gibt wenige Dinge, die so wichtig, so spirituell sind wie Beobachten.

(Frederik Buechner)


Ich kann damit umgehen, wenn du mir sagst,
was ich tue oder nicht tue.
Und ich kann damit umgehen, wenn du interpretierst.
Aber bitte vermische beides nicht miteinander.

Wenn du ein Problem durcheinanderbringen willst,
kann ich dir sagen, wie das geht:
vermische das, was ich tue,
mit deiner Reaktion darauf.

Sag‘ mir, daß du frustriert bist,
wenn du die ungemachte Hausarbeit siehst.
Aber mich „unverantwortlich“ schimpfen
motiviert mich überhaupt nicht.

Und sag‘ mir, daß du dich verletzt fühlst,
wenn ich „nein“ sage zu deinen Annäherungsversuchen.
Aber mich einen frigiden Mann zu schimpfen
erhöht deine Chancen bei mir nicht gerade.

Ja, ich kann damit umgehen, wenn du mir sagst,
was ich tue oder nicht tue.
Und ich kann damit umgehen, wenn du interpretierst.
Aber bitte vermische beides nicht miteinander.


(Marshall B. Rosenberg)


(Wir bereiten gerade eine schulinterne Fortbildung zur Gewaltfreien Kommunikation vor. Es klingt so einfach, und ist so schwer. Und dabei essentiell - nicht nur für die Schule.)

Kommentare:

  1. Ja, das ist eindeutig ein schwerer Lernprozess, der mir extern besser gelingt als mit meinen eigenen Kindern. Wobei ich da auch emotional befangener bin - und wenn ich es dann richtig mache und zu Hause Dinge sage wie "Du hast nicht mit dem Essen gewartet, bis wir alle am Tisch saßen. Das finde ich sehr schade. Ich wünsche mir fürs nächste Mal, dass es klappt" erklären mich unsere kinderlosen Freunde für spleenig. Ich werde ihnen nächstes Mal einfach dein Zitat zeigen!

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  2. Ja, Patricia - über etwas ähnliches sprachen wir gestern auch mit einer Kollegin: wie uns wohl die pubertierenden 8t-Klässler anschauen, wenn wir ihnen in dieser Sprache kommen :)
    Nach dem kurzzeitigen Überraschungsmoment - 'Was ist denn mit der los?' - werden die sich beim über-die-Tische-springen wohl nicht weiter beirren lassen ...
    Oder doch: ich glaube, es kommt weniger auf die Wortwahl an als darauf, diesen Gedanken zu leben. Nicht ständig alles bewerten, zumal nicht negativ. Bei den Schülern, und bei den eigenen Kindern. Das muss doch in irgendeiner Form bei ihnen ankommen, oder?
    Kennst Du das Buch? Es gibt viele Anregungen für unser tägliches Sein.
    Und ich habe mir gerade noch eines bestellt, wo es konkret um den Schulalltag geht. Mal schauen.
    Ich übe weiter - und wenn es was zu berichten gibt, werde ich hier davon erzählen.

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  3. Ich hatte dazu auch ein Seminar im Studium - leider haben mich damals weder das Buch noch unser Dozent wirklich überzeugt. Es wirkte alles sehr "unecht", ein bisschen wie ein "Heilsversprechen" und ich konnte meine Skepsis demgegenüber nicht ablegen. Was ich mitgenommen habe: Ich versuche, keine Du-Zuweisungen zu machen, sondern Ich-Botschaften zu senden. Das Bild im eigenen Kopf nicht als einzige Wahrheit anzusehen, sondern zu wissen, dass mein Gegenüber "seine" Wahrheit hat, die ebenso berechtigt und begründet ist. Die eigene Kommunikation zu hinterfragen und sich bewusst zu sein, dass man (gerade als Eltern/Pädagogen) Macht hat und ausübt.

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  4. Das stimmt - jetzt wo du's schreibst, fällt mir auf, was mich an dem Buch ein wenig irritiert hat: vor allem die einleitenden Kapitel wirken zunächst wie ein leicht esoterisch angehauchter Lebensratgeber. Zum Glück hatte ich zuvor auf einer sehr guten Fortbildung davon gehört, und mehrere Kollegen kennen es von (auch guten) Mediationsausbildungen ... wir denken, man muss es anpassen und sich die Kernpunkte heraussuchen. Die sind für mich zunächst die nichtwertende Beobachtung (wiiieeee schwer!), und dann die (Selbst)Beobachtung, dass hinter meinen Äußerungen stets ein Gefühl und ein Bedürfnis steckt, das mir oft selbst verborgen bleibt. Wie soll dann erst das Gegenüber wissen, was ich sagen möchte? Sich diese vier Schritte bewusst zu machen - Situation beobachten - Gefühl benennen - Bedürfnis erkennen - eine Bitte formulieren - das werde ich versuchen, mir präsent zu halten. In der Schule wie zu Hause.
    Ja, und die Sache mit der Machtausübung. Irgendwo gibt es bei ihm das Gegensatzpaar schützende Machtausübung (vor Unfällen, vor für das Kind nicht absehbaren Folgen) vs. eine andere Form, deren Namen ich jetzt vergessen habe - die aber wohl die häufigere ist :(
    Wir werden sehen, was wir für unsere Schule herausziehen können ...

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