Dienstag, 12. August 2014

Tag 5: Dresden - Bautzen


die Frühstückszeiten sind hier gegenüber Tschechien um eine Stunde nach vorn verschoben und wir noch nicht umgewöhnt, daher sind wir beim Frühstück die Letzten, aber inzwischen packroutiniert, überrunden wir die anderen Radfahrergruppen anschließend doch noch und fahren als Erste ab:)
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wir verlassen heute den Elberadweg in Richtung Osten, wo es hügliger zugeht als unten am Fluss, sind also innerlich für furchtbarste Anstrengungen gewappnet (gibt ja leider keine Profilkarten, wo man die Hügel so richtig abschätzen kann) und werden dann den ganzen Tag lang eigentlich nur überrascht, wie leicht es sich fährt – das Navi zeigt am Ende mehr Höhenmeter an als unsere Beine
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das Wetter hat nämlich ein Einsehen mit uns: etwa 10° kühler als vorgestern, bewölkt (aber die Regenwolken bleiben als solche fein am Himmel hängen oder regnen woanders ab), keinerlei Wind – wir fliegen!
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und wir haben uns, weil wir ja schließlich nicht im Trainingslager sind, für die ersten Meter der Auffahrt die Standseilbahn gegönnt – diejenige nämlich, mit der „Der Turm“ beginnt, und so landen wir mitten im „Turmviertel“, fahren die Plattleite entlang, bei Ardenne vorbei und sind schon gleich in der Dresdener Heide
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weil wir uns wieder ohne „fertigen“ Radweg von Dorf zu Dorf schlängeln, ist an Wegen alles dabei: von verwachsenem Trampelpfad bis Bundesstraße (wobei Ersteres mir deutlich lieber ist), manchmal stehen wir am Ende eines Rüttelweges plötzlich vor einer nagelneuen Mini-Asphaltstraße – diese sind sowieso die besten: kaum ein Auto breit, und kaum von einem befahren, fühlen sie sich an wie extrabreite Radwege nur für uns
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weil es wie gesagt hügelig ist, bekommen wir Blicke übers Land, die man gar nicht mit Worten beschreiben kann, und so Momente: das goldenabgeerntete Feld im Sonnenlicht, dunkle Gewitterwolkenkulisse, Blütenmeerinseln, und plötzlich tausende weiße Schmetterlinge …
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so Ortsnamen: Zockau – Brösang – Drauschkowitz – als Memo vor sich hinzusprechen, damit man nicht alle fünf Meter auf die Karte schauen muss – je öfter man es spricht, desto mehr verselbstständigen sich die Worte, lassen ganz andere Silben wachsen, bilden neue Wörter und Assoziationen … (hier ist sorbisches Gebiet übrigens, daher die für uns fremden Klänge, und daher überall zweisprachige Schilder)
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kurz vor Bautzen treffen wir freudig überrascht auf die noch kleinkindliche Spree (naja, die ist ja eigentlich schon immer hier, hätt halt besser Karte lesen sollen:)), den Fluss, in den ich, wo er schon ausgewachsene Größe hat, als Kind meine Bälle hineingeworfen (und von der Wasserschutzpolizei wieder herausholen lassen) habe – wir sind also wohlig berlinerinnert und mäandern bis zur Stadt mit dem Spreeradweg (der Sohn bemerkt die zusätzlichen Meter zum Glück nicht, sonst hätte er protestiert, denn er ist ein Anhänger effizienter Routen, notfalls unter Aufgabe jeglicher landschaftlicher Reize)
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Bautzen kannte ich nicht – und bin begeistert (für so eine Stadt nimmt man die Lage auf dem Berg gern in Kauf) – abends lasse ich mich durch die stillen Gassen treiben, höre meine Schritte und das Rascheln meiner Tasche, ein paar spielende Kinder in der Ferne, sonst nicht viel – und doch so viel …

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