Samstag, 2. August 2014

Fragen des Tages


Wieso beginnen die Ferien diesmal mit einem Blues - und nicht wie sonst immer mit einer Erkältung?

Wie kann das alles so plötzlich enden: Mittwoch 11.15 springt man noch in höchster Anspannung und in schier nicht endenwollendem Wirbeln in Klassen- und Lehrerzimmern herum, und um 12.15 sitzt man schon gemütlich mit den Kollegen, als hätte man nie etwas anderes als Ferien gehabt?

Darf und soll ich hier gestehen: Dass ich mich seit einer Woche fast unablässig in die Ferien hineinfeiere (in wechselnder Besetzung) und gestern dann also - räusper - mein erster alkoholfreier Tag seit einer Woche war?
(Naja, solange man noch davon erzählt, ist vielleicht nicht alles verloren ...)

Handelt es sich um eine Verschwörung des Universums, wenn am ersten Ferientag die Spülmaschine, die Hauptsteckdose in der Keller-Technikecke, das Navi (das fürs Auto zum Glück) und die Abwesenheits-Gartenbewässerungsanlage ihren Geist aufgeben?

Und wenn noch dazu schon wieder (oder immer noch - mein Gott, wir haben doch das Infec.toPed.icul schon fast getrunken?!) kleine Tierchen auf dem Tochterkopf krabbeln ... bei der Gelegenheit fällt mir auf, dass in ihrer Klasse gar nicht diese Flyer verteilt worden waren. Wie kann das eigentlich sein - ich melde es brav und wir erzählen es allen Mit-der-Tochter-Kuschlern im Freundeskreis und passen sooo auf, und die Tochterschule ignoriert einfach? (Die Webseiten, die von Resistenzen zu berichten wissen, klappe ich schnell wieder zu.)

Apropos: Wieso eigentlich jammert und klagt der Sohn über nicht aushaltbare große Schmerzen beim Nissenkammbenutzen und springt mir ständig vom Handtuch, während die Tochter - nun ähm - es gustiert(?) stundenlang gekämmt zu werden?

Ob mein Trockner mich versteht, wenn ich ihm gut zurede, dass er zwischen seinen Streiks doch bitte noch ein bisschen für mich trocknen möge?

Haltet Ihr es auch für eine geniale Idee, dass ich jetzt einfach meinen Riesenbügelberg Stück für Stück zusammenlege - genau: ohne gebügelt zu haben - um in den Ferien ausschließlich ungebügelte Sachen zu tragen?

In welchem Wäschekorb ist mein Nervenkostüm verlorengegangen? Und wieso sind die Kinder immer noch so geduldig mit mir, obwohl sie seit Wochen nur angerüffelt werden?

Kann man sich für das Büroverdienstkreuz am Bande bewerben, wenn man in nur drei Tagen nach Schulschluss diesen Schreibtisch-Regal-Zustand


in diesen überführt hat?


(Alles feinsäuberlich abgeheftet, und der Rest geordnet: in Schule einzulagern - noch gut als Schmierpapier zu verwenden - wegzuwerfen - zu schreddern - abzuwaschen - wiederzuverwenden)

Wie groß ist eigentlich das Gehirn einer Amöbe? Frage ich mich, seit eine Kollegin in einer Mail von sich behauptete, das ihre wäre auf eben diese Größe zusammengeschrumpft.

Und ist meines größer? Im Moment fühlt es sich an wie nicht vorhanden.

Wo tackere ich mir den inneren Post-it-Zettel "Teilzeit beantragen" hin, damit er bis Januar nicht wieder aus dem Blick gerät?

Ob all die Menschen, deren Mails auf meinem ewig anwachsenden Stapel unbeantwortet liegen und noch weiter liegenbleiben werden, oder die ich auf anderem Wege ewig nicht kontaktiert habe, ob die das verstehen? Und ob es darauf ankommt, dass sie verstehen?

Wie kann man schon zu Ferienbeginn die Zeugnisse der Kinder verbummelt haben? Dieser Programmpunkt ist doch sonst immer erst am ersten Schultag morgens an der Reihe?

Kann man, wenn man in 24 Stunden in den Urlaub aufbricht, etwas anderes sein als sehr beschäftigt? Und lässt sich eine To-do-Liste von immer noch 30 Punkten bis dahin abarbeiten? Und was wenn nicht?

Wer pustet ständig die Zettel, Stifte, Schnüre, T-Shirts und Fahrradschläuche weg, die ich doch eben noch in meiner Hand hatte und mit denen ich - was doch gleich? - machen wollte ...

Der Fahrradgepäckträger passt nicht - und jetzt?

Ob ich auf dem Rad, wenn dann endlich der Wind und der Fluss und der Himmel und die Sonne um mich sind, ob ich da wieder zu mir finden werde? Wo bin ich eigentlich im Moment?

Kommentare:

  1. Ich sage Ihnen, der Blues steckt überall drin - und manchmal kommt er heraus.
    Ich habe mich total über die Fotos gefreut, ich dachte, der Schreibtisch und die Regale sähen nur bei mir so aus.
    Die Kinder verstehen, wie es der Mama geht und nehmen dann auch mal Anraunzer hin.
    Und jetzt: Schöne Ferien und gute Erholung von unserem Knochenjob!

    AntwortenLöschen
  2. boah, das klingt nach dringendem ferienbedarf!
    (und 1.: mein schreibtisch sieht fast immer so aus. und 2. : ich bügele fast nie, nur beim nähen. ordentliches aufhängen und direktes zusammenfalten helfen sehr!)

    schöne ferien und gute erholung wüsnch ich euch.
    alles liebe!

    AntwortenLöschen
  3. Vielen lieben Dank für die Erholungswünsche - wir haben schon angefangen:))

    (Wie aber kann man an einem solchen Schreibtisch korrigieren oder klare Gedanken fassen? Nee, ich glaube, ich bin ein ordnungsbedürftiger Mensch, so tief im Innern. - Spannend zum Nachdenken. Auch, ob ich meine Alltagswäscheabläufe nicht wirklich so hinbekommen kann, dass nicht alles wie wringgetrocknet aussieht - oder ob ich mich nicht doch trauen sollte, auch mal im ungebügelten Zustand vor die Klasse zu treten?)

    AntwortenLöschen