Sonntag, 17. August 2014

Tag 9: Guben - Frankfurt/Oder


Aufwachen mit Blick in einen fast schon reifen Apfelbaum, in die Morgenkälte hinaustreten, unterwegs staunen, wie unglaublich laut sich sammelnde Stare (?) sind, gelbe Farben in den Bäumen entdecken … der Herbst nähert sich (hej, wir haben noch vier Wochen SOMMERferien)
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ein paar Kilometer Neiße noch, dann sind wir an ihrer Mündung in die Oder angelangt – wir steigen ab und zu den Flüssen hinunter, wie still dieses breite Wasser vor uns liegt, wie gut es tut hier zu sitzen, zu schauen, zu sein
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wie gut auch, dass wir diese Flussbegegnung am Morgen hatten – von da ab nämlich bekommen wir den Fluss selten zu Gesicht: wegen Deichbauarbeiten werden wir ins „Landesinnere“ umgelenkt, treffen erst nach vielen Kilometern wieder auf die Flussauen, und dann verläuft der Weg meist unterhalb des Deiches – wir könnten natürlich alle paar Meter hinauf krabbeln, um zu schauen, aber das ist nicht dasselbe wie mit Blick aufs Wasser fahren – ja, ich fühle mich heute richtig des Flusses beraubt und bin erst wieder besser bei mir, als uns abends in Frankfurt der kalte Wind ins Gesicht weht, während wir an der Oder sitzen
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Kontraste: an einer Radlereinkehr am Wegesrand sitzen wir zu sechst, alle sind ganz leise, flüstern miteinander, um ja die anderen nicht zu stören, um niemandem die Stille zu nehmen, die hier alle wohl suchen --- an einer anderen sitzen auch nicht mehr Menschen, aber eine radfahrende Mutter erzählt jedem, der neben ihr sitzt, laut und ungefragt von all ihren Motiven, die sie herführen, von allem was sie sucht, dazu die Vorgeschichten, die Lebensgeschichte, die was-weiß-ich-Geschichten, so laut und aufdringlich, dass man nicht anders kann als zuzuhören, alle rühren betreten bis beflissen in ihrem Eintopf, kaum jemand sagt noch etwas, vielleicht fahren die anderen auch alle ein wenig schneller weiter als geplant – ich jedenfalls bin froh, irgendwann wieder nur noch den Wind in den Ohren zu haben (und da ihre Kinder noch sehr klein sind, müssten wir sie nach dieser einen Begegnung wohl abgehängt haben)
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auch heute wieder Regenglück: es betröpfelte uns nur ein einziges Mal, die großen grauen Wolken waren stets nur am fernen Horizont zu sichten, während über uns das Blau-Weiß mit Lichtspielen tanzte
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das Unterwegsgefühl hat eingesetzt: ich wache morgens auf und will aufs Rad (merke ich auch jetzt beim Schreiben ganz intensiv), das Fahren ist zum (momentanen) Lebensgefühl geworden, ich wehre mich nicht mehr, wenn Gegenwind (der wird uns wohl bis zur Ostsee begleiten) oder „Berge“ in die sogenannte Quere kommen, ich will nur noch treten, atmen, sein

Kommentare:

  1. ...und jeden Tag so einen leichtlebigen Fahrtenbericht, so könnt`s ewig weitergehen...

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  2. Ja, ewig, gern ... doch die Ostsee nähert sich, und damit leider das Absteigen vom Rad ...

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