Samstag, 6. Februar 2010

Belanglos-Post

Ich hasse Freundebücher. Ich hasse sie vor allem, wenn sie der des Schreibens unkundigen Tochter mitgegeben werden. Nicht, dass ich mir für die ewig gleichen Fragen keine Antworten auszudenken wüsste. Nein, das ist es nicht. Es ist - ähm - meine Unfähigkeit bei der Beaufsichtigung des Freundebuchs. Ja, das ist es.

Letztes Mal das Malheur: Töchterchen fand heraus, dass sich auf jeder Seite ein leeres Feld zum Ausmalen mit eigenen Zeichnungen befindet. Und so malte sie aus. Ein Feld nach dem anderen. Auf jeder Seite. Auf je.der!!!
Phhhhh, ich kurz vorm Herzinfarkt --- und tat mein Bestes, mit Radiergummi und so, aber da war nicht viel zu machen. Ich weiß noch zu gut, welch hasserfüllter Blick mich traf, als ich der Mutter des Freundebuchbesitzerkindes davon beichtete. Mein Angebot, ein neues Buch zu kaufen, wollte sie allerdings auch nicht annehmen.

Dieses Mal das Malheur: Vorgewarnt und hypervorsichtig, hatte ich das Buch seit gestern nachmittag nicht aus den Augen gelassen, es hoch oben im Arbeitszimmer aufbewahrt, für die Kinder unerreichbar. Selbst als die Tochter heute morgen mit dem Satz "Ich will das Freundebuch anschauen" erwachte und nervte nervte nervte, ließ ich nicht locker.
So weit so gut. Heute nachmittag feierliches Ausfüllen, das Töchterchen hatte einen orangefarbenen Gel-Stift erwählt, und ich gab mir redlich Mühe, ihre Antworten originalgetreu aufzuschreiben und mich dabei nicht zu verschreiben.
Alles war gut, alles war ordentlich --- bis, ja, bis leider kurz vor Ende der Aktion das Telefon klingelte. Ein Stockwerk höher. Und ich war zu doof, zu naiv, zu wenig weitblickend, zu unfähig als Mutter halt, vorauszusehen, was vorauszusehen war. Sonst hätte ich das Buch nie nie nie aus den Augen gelassen.
(...)
Vorbei, zu spät, die Erkenntnis. Als ich zurückkam, hatte die Tochter alles „nur mal angeschaut“. Vermutlich übt sie sich im Braille-Lesen, oder warum sonst sollte vom „nur mal anschauen“ alles alles alles verschmiert sein??? Oh man. War kaum noch was zu machen, mit wischen, putzen, säubern, nochmals schreiben. Sieht jetzt einfach total unordentlich aus. Blöd.

Und wieder bin ich die unfähige Mutter. Wage kaum, das Buch zurückzugeben.
Wenn das für die Zukunft wenigstens den Vorteil brächte, dass meine Tochter von solchen Büchern verschont bliebe, wenn wir wenigstens diesen Ruf weghätten, dass wir die alle alle verschmieren ... Aber ich befürchte, die Leute werden sich nicht abschrecken lassen.

Das nächste Freundebuch jedenfalls fülle ich nachts ganz allein aus. Ohne jedes Kind in der Nähe. Und mit unverschmierbarem Kugelschreiber. Auf Gelstifte lasse ich mich nicht mehr ein ...


(PS. Aber sonst geht's uns gut. Das Wochenende tut was es soll: uns erholen. Und meine Stimme auch.)

Kommentare:

  1. was geben die eltern von so jungen kindern diesen auch freundebücher? versteh ich nicht, sowas. *kopfschüttel*
    bei uns tauchten die erst im schulalter auf, oder kurz vorher. dann geht sowas ohne größere patzer.

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  2. was geben die eltern von so jungen kindern diesen auch freundebücher???? versteh ich nicht, sowas *kopfschüttel*
    bei uns tauchten die erst zu schulzeiten auf, oder kurz vorher. dann geht das.

    belanglos-antwort ;-)

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  3. Ja, ich versteh's auch nicht. Und in meinem Kopf arbeitet es schon, wie ich dies bei der Tochter verhindern kann, ohne allzu große Kullertränchen zu provozieren. Denn sie ist jetzt natürlich angespitzt ...

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  4. öh, nun hab ich durch irgendeinen doofen fehler auf einmal wieder ein leeres fenster gehabt und nochmal geschrieben...

    als idee für die angespitzte tochter: ein freundebuch selberkreieren nur zum reinmalen und foto dazukleben

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  5. Genau! So habe ich den dringenden Wunsch schon bei dem Sohn abgebogen. Bei diesem allerdings mit dem Argument, dass diese Büchlein doch offenbar alle für Mädchen gemacht seien. Da bekam er von mir ein leeres weißseitiges Buch, und machte sich ans Entwerfen der Vorlagen für die Seiten. In dieser Phase ist er bisher steckengeblieben. Und wenn er will, gibt er eben sein ganz eigenes Buch unter den Freunden herum. Wunderbar!
    Werde ich bei der Tochter also auch so machen, falls sie damit ankommt.

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  6. meine große hat sich (leider) schon für ein fertiges pferdebuch entschieden. da war nicht dran zu rütteln...

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