Dienstag, 23. Februar 2010

Nur Mut!

Weil ich am Elternsprechtag keine Stimme hatte, bleiben mir jetzt 10 Elterngesprächstermine zu finden. Die meisten nachmittags. Na toll. Aufwändig jedenfalls.
Eine Mutter wohnt hier im Dorf. Damit wir nicht beide extra in die Schule fahren, kam ich auf die grandiose Idee, sie zu mir nach Hause zu bestellen. Nachher.
So. Und jetzt habe ich nach langem Ringen beschlossen, das Haus nicht aufzuräumen, nicht zu putzen. Nix. Nicht die Lehmspuren im Flur, nicht das Schuhgebirge, nicht die Küchengeschirrtürme, nicht die Krümel unterm Essplatz, nicht den Zeitungsstapel, nicht das Spielzeug. Nix.
Der Verstand sagt nämlich: Das würde den Zeitaufwand des Gesprächs um ein Mehrfaches überschreiten. Und die Frau ist berufstätige Dreifachmutter – wer wenn nicht die versteht das.
Die Aufregung aber sagt: Doch, tu was, nur ein bisschen, komm schon, räum was weg, nimm nochmal den Wischlappen. Denn wer mich kennt, weiß, dass, wann immer Besuch angesagt ist, bei mir zwangshandlungsartiges Rotieren im Haus einsetzt.
Nun also: mein Entschluss – ein Testlauf. Kann ich ohne oder nicht? Mit diesem Post spreche ich mir selbst Mut zu, es zu wagen. Erstmals. Eine Stunde noch. Eine Stunde Zeit zum Schwachwerden … ich werde sehen, ob ich durchhalte. Und ich werde noch überlegen, ob ich das Chaos kommentiere oder unkommentiert lasse. Man oh man, frau. Stell dich nicht so an.

Kommentare:

  1. Liebe Uta,

    Schön, das du wieder da bist und Danke - für das Unaufgeräumt-lassen (wenn du es geschafft haben solltest:-) Ich feue mich so deine Worte zu lesen, kenne ich dieses zwanghafte Aufräumen doch auch nur zu gut. Wenn bei mir Besuch angekündigt ist rotiere ich auch regelmäßig, selbst bei der besten Freundin fühle ich mich nicht so frei es ganz unterlassen zu können. Schließlich könnte jemand hinterfragen was ich den ganzen Tag mache, wenn ich noch nicht mal die Hausarbeit schaffe. Mein Denken, wahrscheinlich gar nicht mal das der anderen! Aber - beim nächsten Besuch werde ich mich an deine Worte erinnern und es im Ist-Zustand belassen. Mal schauen wie ich es überstehe :-))

    Wie erging es dir?

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  2. Liebe Grüße dürfen natürlich nicht fehlen, ich war zu schnell im absenden :-()
    Rina

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  3. Das kenn ich nur zu gut. Kein Mensch glaubt mir, wenn ich sage ich fange schon eine Woche vor Tag X an, alles aufzuräumen. Schliesslich könnte ja Mal jemand ins Schlafzimmer gehen oder ins Bad oder ins Wohnzimmer und würde über Wäscheberge, Kunst aus Zahnpasta-Spritzern oder Papierstapel fallen:) Hast du´s geschafft?

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  4. Schauen Sie nur nicht so genau hin. Was für eine Unordnung auch wieder, Sie müssen entschuldigen....und, und....so in der Art hätte ich früher auf die Besucherin eingeredet. Heute kein Wort mehr davon. Ist einfach nicht mein Problem.
    Mutig finde ich es trotzdem, was Du gemacht hast!
    Gruß von Sonia

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  5. Ihr Lieben,
    ich wusste doch, dass Ihr mich mit diesem Komplexlein nicht allein auf weiter Flur stehen lasst - ich danke Euch!
    Zuerst die gute oder zuerst die schlechte Nachricht?
    Die gute: der Dreck blieb - Lehm, Krümel, Staub und so, dazu die Küche original chaotisch. Die Schuhberge - hm - da wird's schon weniger gut: die habe ich noch ins Regal geworfen. Offenes Regal, zu meiner Ehrenrettung, also Unordnung weiterhin sichtbar. Nur Stolperfalle beseitigt.
    Die schlechte: im Wohnzimmer habe ich noch den einen und den anderen Handgriff getan. Sachen weggeräumt. Ein paar Minuten nur.
    Bilanz: immerhin, ein Anfang, würde ich sagen. Fürs erste Mal akzeptabel. Wir üben weiter.
    Diese Mutter war aber auch ein leichter Fall, da völlig unaufgeregt. Habe selten so ein nettes Elterngespräch gehabt, ein Idealfall: echte Kooperation beim Umgang mit der (wirklich arg pubertierenden) Tochter. Hach.
    Und übrigens, Sonia: ich habe es nicht kommentiert. Nicht von mir aus, so wie ich es vorher angegrübelt hatte. Anders ergab es sich: beim Einfüllen des Kaffees waren nämlich Krümel auf dem Esstisch danebengegangen. Ich hätte sie liegengelassen, wenn nicht Tochterkind mit Handfeger und Müllschippe herbeigestürzt wäre und sich abmühte, diese vom Esstisch herunterzukehrern ;-)
    Das konnte ich dann wirklich nicht unkommentiert lassen - ich bemerkte kurz, dass sie das nicht von mir habe. Mehr Worte fielen zum Thema nicht.
    Sonia, Du hast so recht: "nicht mein Problem" heißt die Antwort darauf.
    Und Rina, ich glaube, das ist ein Knackpunkt: tue ich es, weil ich meine, es gehört zu meiner Rolle (die ich mir von wem auch immer habe zuweisen lassen, meist von mir selbst - eben!), oder tue ich es, weil ich mich sonst selbst unwohl fühle. Letzteres ist der einzig legitime Grund. Eigentlich, gell?
    Liebe Grüße
    Uta

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  6. Ja, ich glaube auch das wir viele Dinge ganz oft nur aus der "Was denken die anderen "-Motivation heraus machen und uns dadurch unter Druck setzen lassen. Ich habe oft ein schlechtes Gewissen weil ich es nicht geschafft habe eine gewisse Ordnung über 1-2 tage hinweg zu halten, fängt dann erst einmal das Chaos an, resigniere ich - meist bis sich der nächste Besuch ankündigt :-)
    Da kommen dann also doch wieder beide seiten zum Tragen, zum einen der "was denkt sie über mich"-gedanke und zum anderen das "ich kann es nicht mehr sehen" Gefühl.

    Ich freue mich für dich das es heute so unkompliziert war, hoffentlich verlaufen die anderen Elterngespräche auch so nett!

    Liebe Grüße
    Rina

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