Freitag, 26. Februar 2010

Von der Musik gestreift

In den Alltag dieser Woche sind mir einige Klänge hereingeweht - ein jeder zur rechten Zeit, ein jeder brachte mit, was ich gerade suchte ...


Montag Morgen, erster Schulweg nach den Ferien, schwer, müde, gedrückt, da schenkt das Radio uns dieses hier:


(es war eine andere Interpretation, zügiger und leichter, glaube ich)

Langvergessene Erinnerungen strömen ein, innerer Tanz belebt mich. Es ist stimmig, zusammen mit dem erwachenden Frühlingstag.

Der Sohn spontan von hinten: "Klingt wie eine Mischung aus Mozart und Rolf Zuckowski." --- Hm. Ich lache zunächst. Höre dann anders in die Musik hinein.
Er ist eigentlich sehr treffsicher beim Zuordnen unbekannter Musik zu Epochen und Komponisten, jedenfalls wenn er sie schon selbst gespielt hat. Nur die russischen, die gab es bisher selten in seinem Programm. - Was mag ihn da an Zuckowski erinnern??? Ich schmunzle immer noch ... (und würde gern mal mit seinen Ohren hören.)

***

Montag Nachmittag, Klavierunterricht beendet.
"Mama, ich habe zwei Walzer auf!!!"
Seitdem tönt Chopin durchs Haus, erstmals aus Sohnes Händen. Ich fühle mich getragen. Ja, diese Harmonien begleiten mich durch die ganze Woche, umgeben mich in diesen Tagen wie eine zweite Haut.

***

Heute Abend - schon wieder mein Sohn: wieviel Musik er uns ins Haus bringt! - höre ich ihn singen, das tut er manchmal, wenn es ihm richtig gut geht. Hat sich Bachs Schemelli-Liederbuch hergenommen, probiert, bleibt bei Jesu Jesu du bist mein (anklicken!) hängen. (Ich habe leider keine Aufnahme mit Gesang gefunden.)

Ich halte beim Wäschelegen inne ---
Vor mehr als zehn Jahre war es, da habe ich das gesungen, eines Morgens, in der kleinen Kapelle in der Altstadt. Wie so oft am Sonntag Morgen. In der Zeit, als ich fast nur in Singwelten lebte, in Chören, Ensembles, am Theater, Auftritte in Gottesdiensten, bei Festen, mit unserem Quartett, Opernprojekte, Gesangsstunden, Konzertreisen, und die vielen vielen Stunden, in denen ich mit meiner Stimme allein war in dieser kleinen Kapelle. Dort, in den Singwelten, war damals mein wahres Leben, glaube ich. Das Studium musste sich dazwischen fügen. Tat es. Ihm reichten die wenigen Reststunden des Tages ;-)

Nun, und jetzt stehe ich wie erstarrt inmitten meiner Wäsche, unten tönt mein Lied. Ich kann nicht anders als zu ihm zu gehen.
"Los", sage ich zum Sohn, "spiel. Ich singe."
Wieder und wieder - er schafft sich mit Mühe durch die Begleitung, ich durch die hohen Töne (bei ihm klang das doch eben so locker?!).
Wir singen.
Und ich seufze tief im Innern, unhörbar.
Der Sohn genießt es.

"Wir können ja ein Konzert geben. Es Freunden vorsingen."
"Hm, besser nicht. Da müsste ich noch heftig üben."
"Wieso - klingt doch schön? Warum kannst Du das nicht, so wie andere Frauen: einfach singen?"
"Einfach singen!"
wiederholt er noch mal.

Ja, warum eigentlich nicht? --- Treffsicher hat er mich ertappt. Mich und den Troll des ewigen Selbstzweifels auf meiner Schulter. Wird Zeit, dass wir mal in einen intensiven Dialog miteinander treten, kleiner Troll!
Nein, kein Konzert geben, das nun wirklich nicht ;-) Aber es trifft mich viel tiefer, was der kleine große Sohn mir da einfach ins Gesicht sagt. Viel tiefer.

Und noch in einem hat er Recht: Es wird Zeit, dass ich wieder singe. Einfach singe.

Kommentare:

  1. Liebe Uta

    Heute einfach eine Umarmung und ein inneres Mitsingen....

    :-)) Christina

    AntwortenLöschen
  2. Eine Umarmung zurück
    ... und schon bin ich wieder im Garten, die Gartenmöbel vom Winterstaub befreien :))
    Uta

    AntwortenLöschen
  3. ...ein reichtum an familienleben, wunderbar!

    AntwortenLöschen