Donnerstag, 1. Oktober 2009

Arbeitsalltag

Also manchmal fragt man sich wirklich …
Heute zum Beispiel.

Was habe ich heute nicht alles getan in meinen 8 Stunden an der Schule:

- 60 Taschenrechner mit Barcodes beklebt, damit sie endlich an Schüler ausgeliehen werden können,
- eine Liste von 25 Schülernamen 4mal per Hand in diverse Formulare übertragen (das muss so und geht nicht anders),
- von 26 Schülern 660 Euro eingesammelt, quittiert, sortiert, gezählt (wieder und wieder, wie das eben so ist, wenn man nicht gescheit zählen kann) und an die entsprechenden "Töpfe" in der Schule weitergereicht, sprich überwiesen,
- zusammen mit zwei Schülern im ganzen Schulhaus den fehlenden Tisch gesucht, gefunden und mühevoll die Treppe runter getragen, damit im Klassenraum jeder Schüler seinen eigenen Arbeitsplatz hat,
- zusammen mit einer Kollegin ein Bücherregal aufgebaut, weil sich im Lehrerzimmer schon alles auf dem Boden stapelt,
- für ein Experiment mehrere benutzte Glasscheibchen zunächst gereinigt (wegen eines spontan aufspringenden Fensters – ja, das klemmt schon ein Jahr lang – windete es mir dabei Unmengen an Rußkrümelchen in der Gegend herum, worauf ich auch den gesamten Physik-Vorbereitungsraum zu reinigen hatte ;-(( ), dann die Scheiben erneut berußt, was mangels vernünftiger Kerzen (die Haushaltsmittel für dieses Jahr sind erschöpft) gefühlt Stunden dauerte,
- ganz solidarisch versucht, einer Kollegin Laptop und Beamer in Gang zu setzen, damit sie im Unterricht ´nen Film zeigen kann, wobei wir allerdings wenn nicht am Einloggen, so am richtigen Verkabeln der Geräte scheiterten - die sich um uns bildende Traube von Kollegen bekam es auch nicht hin,
- Kopierer-Papierstaus entfernt, immer wieder an neuen Stellen, so lange, bis auch der zweite Kopierer endgültig streikte und wir heute alle (= alle Kollegen der Schule!) ohne Arbeitsblätter unterrichteten.

Als kleine Draufgabe: Auch die Kaffeemaschine streikte, und für meine Bemühungen, ihr dennoch einen Kaffee zu entlocken, verwendete ich weitere Minuten meiner Arbeitszeit.

Tja, das war´s auch schon.
Ach ja, unterrichtet habe ich noch ein wenig, etwa drei Stunden lang. Und ein bisschen gelacht. Jedenfalls als wir mit vier Kollegen gleichzeitig von allen Seiten die Köpfe und Oberkörper in den Kopierer steckten, um des Papierstaus Herr zu werden. Das hatte was. Wir fanden´s komisch. (Besser als über die Zustände zu weinen, jedenfalls.)

Nicht, dass mich jemand falsch versteht. Ich liebe meinen Beruf. Ich beklage mich auch nicht über zu viel Arbeit – nein, wirklich nicht.

Ich würde nur gern in Ruhe meine Arbeit machen. Also die, für die ich einst eingestellt worden bin, die eigentlich mein Job ist. (Und für die ich, im übrigen, als A13-Beamtin auch stattlich entlohnt werde.)

Ich würde zum Beispiel gern mal einen ganzen Tag lang einfach nur unterrichten. Mit Arbeitsblättern und Film und so – oder meinetwegen auch ohne.
Ich würde gern, wenn zwischen den Unterrichtsstunden Zeit bleibt, die Stunden noch ein wenig vorbereiten, meine Gedanken ganz auf den Unterricht konzentrieren können, mich innerlich drauf einstellen, ohne dass mich nervige Nebentätigkeiten ablenken.
Ich würde gern in Ruhe über Schüler X nachdenken und mich dann mit ihm zusammensetzen, um gemeinsam zu überlegen, wie er die 10. doch noch schaffen kann.
Ich würde gern die Eltern von Schülerin Y einladen, weil ich wissen möchte, was sie so unendlich bedrückt.
Ich würde mich gern mit Kollegin Z in Ruhe zusammensetzen, weil unser Kollegiums-Hospitationsprojekt seit Wochen ruht, da keine von uns jemals Zeit hat dafür.

Ja, das alles würde ich wahnsinnig gern tun – den ganzen Tag lang, ungestört, konzentriert. Das wäre meine Arbeit, das wäre mein Traumjob.

Stattdessen werden mich morgen vermutlich wieder Listen, Aufkleber, Papierstaus, falsche Passwörter und fehlende Stühle beschäftigen. Menno.
Hoffentlich hat sich die Kaffeemaschine wenigstens einbekommen bis morgen. Und hoffentlich haben auch die Kollegen ihren Humor nicht verloren, bis morgen.
Wenigstens ein bisschen lachen möchte ich darüber können. Wenigstens das. Falls wir wieder zu viert die Köpfe in den Kopierer stecken müssen …

Kommentare:

  1. Gut, dass da nicht auch noch das Postfach zu Hause überläuft, oder?? ;-)
    Ich wünsche euch, dass euer Humor euch nie verlässt.
    Gabriela

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  2. Liebe Gabriela,

    tja, was soll ich nun darauf antworten ...
    Dass Blog-Kommentare ja auch im Postfach landen?
    Oder dass das Postfach ja ohnehin überläuft, dienstliche Mails nämlich, die ich in der Schule schon gar nicht schaffe "abzuarbeiten"?
    Oder dass nicht-dienstliche "Nebentätigkeiten" weitaus weniger nervenden Charakter haben? Sprich: willkommene Abwechslung bilden, damit das Leben nicht nur noch von der Schule dominiert wird, was es im Moment leider tut.
    (Nein, nein, kein Wink mit dem Zaunpfahl, Du hast es selbst provoziert mit Deinem Kommentar ;-))

    Übrigens: der Kopierer funktioniert momentan, unser Humor ist ungebrochen.
    Aber Unterrichten darf ich heute dennoch nicht: macht nämlich gleich die Praktikantin für mich. Die Arme (ich weiß soooo gut, wie sie sich gerade im Innern fühlt).

    Liebe Morgengrüße
    Uta

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  3. liebe uta,
    ja,tara ist verschwunden, ich kann jetzt bei dir lesen. um dies zu verstehen, mußt du erst meine antwort auf deinen kommentar bei mir lesen.:)))
    falls tara nicht mehr auftauchen sollte, werde ich mich die nächsten tage durch dein blog lesen und auch immer wieder bei dir vorbeischauen, wenn es dir recht ist.
    liebe grüße heike

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