Samstag, 3. Oktober 2009

Mein Lieblingsdialog ...

... in den Nachwende- und Nachvereinigungsjahren, als ich bereits in Tübingen und Heidelberg lebte:

- „Ach, du kommst aus dem Osten? Das merkt man dir ja gar nicht an.
- „ Ähm, soll das jetzt ein Kompliment sein?

Ich muss dazu sagen, dass ich einige Jahre brauchte, um diese Antwort zu finden und sie schmerzfrei artikulieren zu können. Dem jeweiligen Gegenüber war das dann meist sehr peinlich.

Aber es stimmte ja: Da waren Riesenunterschiede. Selbst wenn man aus einem „systemferneren“ Elternhaus kam.

Kürzlich hat mich jemand gefragt, ob man einem Menschen anmerken könne, dass er im Osten aufgewachsen ist.
Ich weiß nicht. Ich will mich bei diesem Glatteisthema mit Verletzungspotential nicht zu weit aus dem Fenster hängen. Aber ich glaube schon, dass es einen Unterschied macht, in welchem System man sozialisiert worden ist. Bei mir spüre ich das immer wieder, auch wenn mein Gegenüber es mir nicht mehr anmerken kann, am äußeren Bild schon gar nicht.
Da erlebe ich in mir oft (inneres) Kopfschütteln über so manches hier, eine andere Sichtweise, Andersreagieren, ein wenig Fremdheitsgefühl. Ein bisschen wie im Ausland. (Nicht falsch verstehen: Ich meine keine (N)ostalgie und will mitnichten zurück, auch nicht partiell. Nein, gar nicht. Ich bin ganz gern im Ausland, sozusagen.)

In diesem Sinne grüße ich heute besonders alle anderen Ost-West-Ehen und wünsche allzeit gute Verständigung ...

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