Dienstag, 6. Oktober 2009

Der Sohn als Vorbild

Nachher ist Elternabend. Alle Lehrer stellen sich in der Aula vor. Wie jedes Jahr.

Ein paar Hundert Eltern blicken dich erwartungsfroh an --- nimmste einfach das Mikrofon lässig in die Hand, und dann erzählste ein bisschen was über dich. Na los, stell dich nicht so an ...

Hm. Mir schlottern schon jetzt die Knie. Wie jedes Jahr. Eine Aula voller Zuhörer – das fühlt sich an wie in ´nem Fußballstadion reden!!!

Werde mir den Sohn als Vorbild nehmen. Der hat´s schließlich auch geschafft, gell ;-)

Kommentare:

  1. liebe uta,
    ich drücke dir ganz fest die daumen, meine rolle wäre das auch nicht, aber vielleicht hilft es wirklich, an deinen sohn zu denken.

    liebe grüße heike

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  2. es ist jetzt Viertel vor Acht, wohl nicht zu spät, um dir die Daumen zu drücken.
    Dein Kollege von heute Morgen, der hat es bestimmt noch schwerer...
    Machs gut - wovon ich überzeugt bin!
    Gabriela

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  3. Ihr Lieben,
    Eure Wunderdaumen haben wundersam geholfen. Naja, den Moment auf der großen Bühne mit Mikrofon brauche ich nicht jeden Tag, aber der Rest des Elternabends war wirklich gut. Sehr konstruktiv, und hinterher viele Gespräche mit einzelnen Eltern, in denen ich Dank und Anerkennung bekommen habe. Ich muss sagen, das tut auch mal ganz gut ... leider erleben wir es zu oft anders. Aber mit diesem Jahrgang (meinen 12ern) bin ich sehr verbunden - und durfte heute spüren, dass das offenbar den Schülern genauso geht .... schön!
    Ja, und für meinen Kollegen war es in der Tat schwieriger. Er ist wohl deswegen vor dem jahrgangsinternen Teil gegangen.
    Gute Nacht
    Uta

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  4. liebe uta,
    ein erneuter versuch, zum glück war das erst das zweite mal, dass mir etwas in den weiten des w.w.w. verlorenging.
    seit über 2 jahrzehnten habe ich das abitur und mit fast allen fächern werde ich in meinem alltag konfrontiert, englisch, geschichte bio... doch in mathe benötigte ich bisher nie mehr als das unterstufenniveau. es stellten sich mir keine fragen nach mehr, realitäten verlangten nicht nach mehr.
    die einzigen, die es benötigen, scheinen die mathelehrer zu sein, die es schülern beibringen müssen, die sich meist gar nicht dafür interessieren, weil sie nie und nimmer mathelehrer werden wollen. was hätte man interessantes in der zeit unterrichten können, permakultur, psychologie, philosophie, volkswirtschaft...!
    so vielen schülern wird die schulzeit vermiest durch funktionen, gleichungen mit 2 unbekannten, 0 strebt gegen unendlich...und kaum einer wird es je wieder brauchen. das argument man müßte das logische denken erlernen macht für mich wenig sinn, denn was sich in der welt tut, entzieht sich meist jeglicher logik.
    ich betrachte diesen höheren matheunterricht für mich wirklich als vertane zeit. es ist auch nichts hängengeblieben, ich habe nur schemata gelernt, um die abiprüfung einigermaßen zu bestehen, aber verstanden habe ich absolut nichts.
    aber das heißt jetzt nicht, dass sich meine matheabneigung auch automatisch auf den lehrkörper dieses fachs überträgt.:) der beste freund meines mannes unterrichtet deine fächer.:)

    liebe grüße von heike an eine hoffentlich nicht völlig entsetzte uta

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  5. Liebe Heike,
    nein, warum sollte ich entsetzt sein - das ist ja die Antwort, die man meist erhält, wenn die Sprache auf den Matheunterricht kommt. Also völlig im Rahmen meiner "Erwartungen" ;-)
    Ich befürchte nur, dass meine Antwort nicht ansatzweise in ein Kommentarfenster passt... Beginne ich mal mit dem was die Minderheit antwortet: "Mathe hat mir immer Spaß gemacht." - Ich meine, Mathematik als Kulturtechnik entsprang dem Drang des menschlichen Geistes nach Erkenntnis - und hat sich NICHT mit dem Ziel der Anwendbarkeit entwickelt. Ist in dem Sinne der Philosophie sehr ähnlich, beide sind zunächst reine Geisteswissenschaften, wie kaum andere. Mathematiktreiben zum Vergnügen, wie Schachspielen, Sudokulösen, Gospielen u.ä. - so hat die Menschheit begonnen, Strukturen zu suchen und zu schöpfen, als reines Geistesvergnügen. Ich weiß, dass das schwer nachvollziehbar ist, denn Mathematik und Mathematikunterricht sind über weite Strecken leider völlig konträre Dinge. Wie Du sagst, erschöpft sich der Unterricht oft im Pauken von Schemata, "Kochrezepten", das hat dann nicht mal mehr was mit logischem Denken zu tun.
    Nun, warum es genau diese Lehrplaninhalte gibt (ich persönlich würde vieles davon austauschen)? Es ist wohl ein nicht zu lösendes Problem, einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden von all den Inhalten und Kompetenzen, die schließlich doch im Alltag benötigt werden. Nicht in jedermanns Alltag, aber für Ingenieure (die bauen z.B. Computer!), Informatiker (die haben das Internet einst geschaffen!), Volkswirte (mehr Mathematik als man sich auf den ersten Blick vorstellt), Ärzte (wenn mich ein Arzt zu einer Therapie überreden will und nicht verstanden hat, was die Falsch-Positiv-Rate ist, flüchte ich lieber ganz schnell), jegliche Naturwissenschaftler - all diese brauchen es doch. (Mal ganz abgesehen von Versicherungsvertretern und Steuerberatern, die ich bewusst in Klammern schreibe, weil, nun ja, dieses irgendwie nicht zum Wesentlichen im Leben zählt. Genauso wenig wie die Tatsache, dass ich - weil man als Mathematiker höchst geschult ist darin die komplexesten abstrakten Dinge zu begreifen - zu den seltenen Menschen gehöre, die grundsätzlich in der Lage sind, die eigene Steuererklärung, die Riesterrenten-Varianten und sogar die Übers-Ohr-Hau-Versuche unserer Baufirma zu verstehen - zugegeben, man käme ohne das durchs Leben ;-))
    Wie gesagt, auch wenn ich Inhalte (und manche Lehrer) austauschen würde, gehört für mich die Kenntnis davon, dass es diese Wissenschaft, diese Art der Weltbetrachtung gibt, unbedingt zum Allgemeinwissen, wie es im Abitur vermittelt werden soll. Wo die Naturwissenschaften ihren Platz genauso haben wie die Geisteswissenschaften, wie Religion, Philosophie, Sozialwissenschaften - von allem etwas eben. Und im Idealfall die Ahnung aufgezeigt wird, dass das Leben aus allem besteht - aus rationalen wie aus irrationalen Komponenten, aus der geistigen wie der weltlichen Welt, dass es dazwischen keine unüberbrückbaren Gegensätze, sondern im Gegenteil einen großen Bogen gibt. Ich hatte schon oft die interessantesten Gespräche mit Schülern im Physikunterricht genau darüber: über Wissen und Glauben, über Gewissheit und Wahrscheinlichkeit, wie sich diese Zahlen- und Denkmodellewelt in die Realitäten unseres Lebens einbettet oder eben nicht einbettet - das ist sooo spannend. Nur befürchte ich, dass ich jetzt gerade Dich mit entsetztem und unverständigem Gesicht hinterlasse.
    Vermutlich rede ich hier wenig von der Schulrealität, wie Du (und viele andere) sie erlebt haben. Das finde ich bitter und schade - und genau deswegen bin ich in diesem Beruf gelandet. Mein erster Abschluss war das Diplom in Mathematik. DAS hätte mich nie ausgefüllt, weil es zu weit von meinen Lebensrealitäten entfernt war. Die Arbeit mit den Kindern dagegen, gerade mit denen, die meinen weder zu verstehen was noch wozu wir das machen - das ist der richtige Ort für mich.
    Soweit für`s erste
    Herzliche Gute-Nacht-Grüße
    Uta

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  6. liebe uta,
    danke für deine ausführungen. ich denke auch, dass mathematik und der unterricht zwei paar stiefel sind und mit einer lehrerin wie dir, die bögen spannt, brücken baut, hätte wahrscheinlich alles anders ausgesehen. aber gerade in einem alter, wo man alles hinterfragt, dingen auf den grund gehen will, sinn sucht, wirkt mathematik, wie sie eben meistens unterrichtet wird, abstrakt, zusammenhanglos, sinnlos.
    ich weiß, dass volkswirtschaft mathematische kenntnisse verlangt, aber da wäre eben mathe an etwas konkretes gebunden gewesen. ich mußte während meines studiums auch eine prüfung in statisik ablegen, ich mochte das fach nicht besonders, aber mir war der sinn des ganzen klar. aber vielleicht hat sich seit meiner schulzeit auch schon einiges zum positiven verändert. meine schulkinder mögen bis jetzt mathe ganz gern und ich hoffe wirklich, dass gerade dem sohn auf dem gymnasium die freude daran erhalten bleibt.
    liebe grüße heike, die immer zu wenig zeit hat um wirklich umfassend zu antworten,

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