Montag, 25. Januar 2010

Schneebedeckt

Eigentlich zog mich nichts in die Kälte, als ich heute vormittag aus der Schule kam. Doch da war Schnee, frisch gefallen, da sah alles puderweiß aus, wie sonst nie bei uns. Und da war der Gedanke, dass ich – eben darum – so gar keine Winterbilder habe, nicht vom vorigen Jahr, nicht vom vorvorigen, so gar keine.

Ob man es den Bildern ansieht, dass ich eigens dafür losgezogen bin?
Dass mich, mit klammen Fingern die Kamera haltend, die ganze Zeit fröstelte?
Dass der Himmel – grau in grau – eigentlich gar kein Fotografierlicht bot?
Dass nicht mein Auge die Natur und ihre Bilder trank, bevor ich auf den Auslöser drückte – wie sonst –, sondern dass ich mich nur zum Zweck der Objektsuche umschaute?
Dass ich mich dabei wie ein Tourist fühlte, der während der Reise nur durch die Kamera blickt, um später zu Hause auf den unzähligen „ich war da“-Fotos eine billige Kopie dessen zu finden, was er hätte „in echt“ sehen können?

Habe ich hier Bilder geschaffen, die ich gar nicht in der Wirklichkeit wahrnahm – ist das Fiktion, ist das Täuschung?
Wie oft mag das hier im Blog noch so sein: dass ich Wortbilder und Texte erschaffe, die ich nicht in der Realität lebe? Im Sinne: dass ich hier ein abstraktes Innen darstelle, ein Wunsch- und Traum-Innen, welches nicht meinem konkreten Alltags-Außen mit seinen Verhaltensweisen und Taten entspricht?
Bin ich dann als Blogfigur nicht eine Art Fälschung, ein stachliges, unebenes, raues Ich, gleichsam mit dem Schnee der Sprache bedeckt, der vieles glatter, milder, ebener, reiner erscheinen lässt? Viel Dichtung mit wenig Wahrheit, sozusagen?

Doch ich bin weit abgekommen … ich wollte Bilder zeigen …

… wie unsere Puderzuckerwelt ausschaut …




… wie das Gleiche je nach Perspektive krumm oder gerade oder noch ganz anders strukturiert wirken kann …





… wie zarte Äste und Ästchen unglaublich beladen sein können …




… wie Formen mir durch den Schnee erstmals sichtbar werden …





… wie die Erinnerung an Blüten und Früchte auch durch das Weiß hindurch scheint …





… wie die Rosen ihr mannigfaltiges Äußeres selbst im Schnee bewahren …






… wie schwache Zweige sich unter ihrer Last zu beugen wissen, ohne zu zerbrechen …






… wie das zarte Weiß neue Strukturen schafft …




… wie so manche Bewegung eingefroren ist …





… wie so manche Form durch einen Schneehut deutlicher zutage tritt …





… wie Muster kristallklar sichtbar werden …









Nun, vielleicht sollte ich mir die Fotos als Hintergrund nehmen, um über mein echtes und mein Blog-Ich nachzusinnen …

Kommentare:

  1. Liebe Uta,

    das sind wieder einmal sehr schöne Bilder von dir, auch wenn du das Gefühl hast, sie nur halbherzig gemacht zu haben, mir kommt es nicht so vor :-)

    Ich finde deine Gedanken sehr interessant, wie schnell kann man doch im Schreiben in eine andere Welt hinübergleiten, die man so gar nicht als seine eigene ansieht. Bewahrt man sich in jedem Post seine Authentizität, oder schafft man sich auch oft ein Wunschbild? Inwieweit greifen meine Gedanken,die ich veröffentliche auch wirklich in meinen Alltag ein und inwieweit lebe ich meine Gedanken? Das alles sind Fragen die sich zu fragen lohnt, schließlich sind sie mit ein Stück eine Frage zu unserem Lebensweg den wir gehen wollen. Ich glaube nicht das wir uns so weit verstellen können, das alles von dem was wir schreiben erfunden ist. Was ich aber glaube ist, das wir oft "nur" unsere Wünsche niederschreiben, die wir uns aber nicht trauen in die Realität umzusetzten. Aber das ist doch vollkommen legitim, schließlich ist das formulieren seiner Wunschgedanken der erste Schritt um über Veränderungen und Erneuerungen nachzudenken. Ich glaube auch, das wir dann trotzdem noch authentisch sind, und nicht nur eine "Romanfigur".

    Liebe Grüße
    Rina

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  2. Deine Schneebilder sind fantastisch. Ich hab sie jetzt zum zweiten mal angeguckt. Und ja, der Schnee bringt die Formen hervor. Ich mag das auch sehr gerne und hab meine Camera deshalb immer in der Manteltasche dabei.

    Berührt hat mich dein Anfang, dass es keine Winterbilder von dir gebe, weil es die letzten Jahre keinen Schnee gegeben habe. Da wünsche ich dir, dass du ihn heuer noch viel geniessen kannst und gute Besserung für's Kind.

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  3. Liebe Constanze,

    herzlich willkommen hier!
    Darf ich fragen, an welchem Fluss sich Dein "im-Fluss" befindet?
    Hier sind wir in der Nähe des warmen Rheingrabens und daher so selten mit Schnee beschenkt.
    Liebe Grüße
    Uta

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