Freitag, 20. November 2009

Plötzlich, sehr

Irgendwo in mir muss es ein kleines unsichtbares Gefäß geben, eines, in das sie hinein- und hinein- und hineintröpfeln, meine Tränen.
Haben solche Gefäße eigentlich Dämme, die plötzlich brechen können?
Oder sammelt sich in ihnen - von mir unbemerkt - immer wieder so viel an, dass es unvermittelt überläuft?

Heute. Einfach so, unerwartet, heftig. Bei einer kurzen Autofahrt, Kinder hinten drin, ich vorn am Steuer, geschüttelt. Irgendwie kamen wir nach Hause.

Das Schwierige daran ist, dass ich ja "nichts" habe, was mir geschehen ist - von außen gesehen, jedenfalls. Wie viel einfacher stelle ich es mir vor, der Umwelt seine Tränen zu erklären, wenn es wenigstens einen einsichtigen Grund dafür gibt.

Ich könnte höchstens antworten: "einfach so".
Das aber ist "net an Antwoat", wie selbst die Tochter schon weiß.
Und der Sohn bemerkt: "Mama, es macht gar keinen Spaß mehr mit dir. Du hast heute nur ein einziges Mal gelacht."

Nein, Spaß macht es mir auch nicht.
Ach.
Traurig.
Aber sowas von plötzlich. Sowas von sehr.

Kommentare:

  1. Und weisst du was, liebe Uta, es ist nicht die Aufgabe einer Mutter, ihrem Kind zu vermitteln, es würde immer Spass machen. Du weisst das ja. Das kannst du mit dem Wetter bestens erklären. Natürlich mögen wir Sonnenschein, aber welch Unglück, wenn es nie regnet. Tränen sind als Ausdruck von Schmerz und innerem Ringen eines der Elemente, welche Wachstum erst ermöglichen.
    Und ein ehrliches "Du, ich muss so fest weinen und weiss eigentlich gar nicht, weshalb." das IST eine Antwort, da würde ich der kleinen Tochter klar widersprechen! Je nach Kind ist es vielleicht entlastend, wenn dieses erfahren darf, dass das Weinen nichts mit ihm zu tun hat.

    So, jetzt, nach der Rückkehr des Mannes, mache ich einen zweiten Versuch, mich Richtung Schlaf zu bewegen.

    Lieben Gruss, und weine du auch dann, wenn du nicht weisst, welche Quelle aufbricht. Wir müssen und können und sollen nicht alles wissen.

    Gabriela

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  2. Kommt mir sehr bekannt vor. Das plötzliche "Überlaufen". Ich bin allerdings von je her ein Pessimist und selbst wenn ich nicht genau weiss, warum es mich jetzt beutelt .... mir fallen dann noch 100 Dinge ein. Derweil möchte ich doch nur glücklich sein und unbeschwert. Vielleicht liegts auch an meinen Hormonen. Jedenfalls kann ich Dich gut verstehen. Die Zeilen von Gabriela haben mich sehr nachdenklich gemacht. Sie hat schon Recht: man muss seinem Kind nicht immer die heile Welt vorspielen - so ist es halt nicht. Ich hoffe, du kannst wieder lachen und geniesst das schöne Wetter.

    Liebe Grüsse von ninifee, die sich sehr über deinen Kommentar gefreut hat.

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  3. Liebe Uta,

    wie ich dieses plötzliche "schütteln" auch kenne. Es kommt dann einfach alles hoch, ohne das ein richtiger Grund gerade vorliegen muss, manchmal ist es einfach so aus dem Nichts. Ich finde auch, wie Gabriela schon schrieb, das die Kinder das ruhig aushalten dürfen. Es ist nicht immer alles lustig und schön, sondern manchmal sind wir auch traurig, auch wenn wir nicht so genau wissen warum. Ich sage ihnen dann, das es nichts mit ihnen zu tun hat und das reicht ihnen dann schon als Antwort. Ich finde auch das es total wichtig ist, das wir die Schleusen öffnen und weinen, nichts ist schlimmer als unterdrückte Gefühle. Nur wenn wir weinen und traurig sind, können wir diese Traurigkeit annehmen, sie zulassen und dann verabschieden. Ich fühle mich danach immer viel besser, weil ich dieses Gefühl dann immer schon viel zu lange unterdrückt habe und es sich dann halt durch das Schütteln Platz verschafft hat.
    Ich denke auch, das wir nicht immer wissen müssen warum es gerade so kommt, lass es einfach geschehen.

    Fühl dich gedrückt
    Rina

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  4. ohja das kenne ich auch
    und den kindern war es irgendwann bekannt
    sie sind ja auch nicht frei davon
    ich habe das gehasst bis ich in einer fortbildung eine frau traf die nicht weinen konnte
    seither nehme ich es wie es tropft
    naja nicht immer *giggle*
    gibt schon situationen wo es mich ärgert
    *meinetaschentüchermitdirteil*
    lg birgit

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  5. Wollte dir grad ein paar Taschentücher hinterlegen, bevor ich weiter eile. Sehe aber nun, dass du schon welche bekommen hast.
    Trotzdem: Einen lieben Gruss bringe ich dir mit von einem langen auf-den-Sohn-warten-Spaziergang durch die windige Stadt.
    Alles Liebe
    Gabriela

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