Donnerstag, 26. November 2009

Stimmlos

Es ist eine nicht ganz neue Erfahrung für mich, aber diesmal trifft sie in einen besonderen Moment hinein. Mir ist die Stimme weggeblieben. Einfach so, keine Erkältung, kein Krankfühlen, kein Sonstwas, seit gestern einfach immer heiserer geworden, Druckschmerz beim Sprechen, und dann ganz weg.

So ließ ich mich gestern aus der Schule entlassen und bleibe heute und morgen zu Hause. Krank.ge.mel.det!
Und das ich!, die mit Fieber vor der Klasse zu stehen und komplette stimmlose Schultage mit nonverbalen Ruderbewegungen zu bewältigen gewohnt ist und die immer meint, ohne sie stürze in der Schule auch ganz gewiss alles ein ... ich! also habe mich krankgemeldet. Und hatte noch nicht mal ein schlechtes Gefühl dabei. Die Ruhepause tut gerade in diesen Tagen besser als gut.
Ich hatte es ja versprochen. Und nun bin ich ein kleines bisschen stolz, weil ich es wirklich getan habe :) (Das nur am Rande).

Nachdem also zu Hause zunächst geklärt werden musste, dass ich nicht zusätzlich noch eine Hörbeeinträchtigung erlitten habe und daher mit mir ganz normal, also mit Wörtersprache kommuniziert werden kann (... witzig, wie alle die Zeichen- und Zeigesprache immer gleich aufgreifen, wenn man es ihnen nur vormacht ...), beobachte ich aus dem Schweigen heraus die Reaktionen meiner Familie.

Die Tochter:
Wenn ich flüstere (ich weiß ja: soll man absolut nicht, geht aber doch manchmal nicht anders?!), flüstert sie auch. Süß, die Kommunikation wird gleich viel inniger.
Ansonsten nimmt sie es gelassen, zitiert sich sehr resolut den Papa zum Vorlesen herbei und weist in der Wartezeit - denn erst ist der Sohn dran - mich an, das Bilderbuch mit ihr schon mal anzuschauen, denn schauen und umblättern könne ich ja schließlich noch (boah - wörtlich sagt die das so ...).

Der Sohn:
"Das macht voll Spaß mit der Zeichensprache", und denkt sich am laufenden Band neue Zeichen für mich aus. So viele, dass sie meine Merkfähig- und Gebärdenfreudigkeit bei weitem übersteigen.
Außerdem ist er ganz gut als Telefonier-Assistenz einzusetzen. Wiederholt für mich, was derjenige am andern Ende der Leitung sagt und liest brav vor, was ich dann aufschreibe.

Der Mann:
Beginnt mit dem Sohn ein Gespräch darüber, warum die Erde rund sei. Ich kann nicht an mich halten und will mich mit meinem Sachwissen einmischen. Aber der Versuch scheitert: Die Männer können einfach nicht so schnell lesen, wie ich meine Gesprächsbeiträge aufschreibe ;-)) Sie beschließen, das Thema zu vertagen. (bis sie besser lesen können, oder wie?)

Nach zwei Tagen zieht der Mann übrigens das Fazit, dass es doch ganz schön erholsam sei, wenn einer am Tisch weniger rede. Ok, er meinte das als Scherz, aber mir fällt auf: Es ist viiiieeeel ruhiger bei uns, richtig wohltuend. Was heißt das jetzt über meine Rolle in der innerfamiliären Kommunikation? Warum hören die Kinder jetzt plötzlich auf zu streiten, zu jaulen, zu singen, zu kreischen, sich anzuschreien und was sie sonst noch so lautieren beim Abendessen??? Das interessiert mich wirklich, welche Zusammenhänge da greifen ... Stimmlosigkeit als Beruhigungsmittel?

Und noch über etwas anderes denke ich nach.
Gestern, wie ein Wegweiser, diese Worte: Während du das Erwartete vergebens suchst, tut sich dir ein ganz Anderes auf.
Heute nun durch meine eigene Stimme konkretisiert: Wenn du dich in der altgewohnten Sprache nicht verständlich machen kannst, musst du dich einer anderen bedienen.
Hm.
Soll ich nun hoffen, dass meine Stimme auch morgen nicht zurückkehrt, damit ich mich darin noch ein wenig üben kann?

Kommentare:

  1. Hoffe doch einfach, liebe Uta, dass morgen genau das dran kommt und auf dich zu kommt, was dran ist, vielleicht hast du ja heute in Sachen Stimme schon genug gelernt... :-))
    Lieben Gruss

    Gabriela

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  2. Ach herrje, das wäre ja grausam für mich, als elendige Quasselstrippe ;)
    Ihnen ganz gute Besserung!

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